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Toulouse : Staatsanwalt: Attentäter plante weitere Anschläge

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Zudem habe der Yamaha-Motorroller vom Typ T-MAX 530, der nach den Attentaten mit insgesamt sieben Todesopfern in den vergangenen Tagen als Fluchtfahrzeug verwendet worden war, zu dem mutmaßlichen Täter geführt, hieß es weiter. Ein Yamaha-Händler in der Region habe berichtet, vor einigen Tagen habe ihn ein Mann aufgesucht, um in Erfahrung zu bringen, wie er die Diebstahlsicherung eines solchen Motorrollers abschalten könne. Die  Motorroller sind mit einem Chip ausgestattet, mit dem sie nach einem  Diebstahl gefunden werden können.

Beisetzung in Jerusalem

Unterdessen haben in Jerusalem am Mittwoch Tausende an den Beisetzungen der vier Menschen teilgenommen, die am Montagmorgen vor der jüdischen Schule Ozar Hatorah in Toulouse erschossen wurden waren. Der französische Außenminister Alain Juppé hatte zusammen mit den Angehörigen die Leichname des getöteten Rabbiners, dessen beider Söhne sowie der Tochter des Schulleiters nach Jerusalem begleitet, wo sie auf dem Friedhof von Givat Schaul beigesetzt wurden. Auch mehrere israelische Kabinettsmitglieder und die beiden Oberrabbiner nahmen an der Trauerfeier teil. „Ganz Frankreich steht unter Schock“, sagte Juppé, der versprach, dass seine Regierung alles tun werde, damit sich eine solche Tat nicht wiederhole.

Antisemitische Gewalt sei ein Problem aller Franzosen, nicht nur für die jüdischen Bürger des Landes, versicherte er. Zuvor hatte Juppé den israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres aufgesucht. Er wolle damit Frankreichs Solidarität mit Israel zum Ausdruck bringen, sagte Juppé. Der israelische Parlamentspräsident Reuven Rivlin sagte, das jüdische Volk sehe sich „wilden Tieren gegenüber, die unersättlich und von blindem Hass getrieben sind“. Aber Israel werde dafür sorgen, dass diese Kräfte nicht siegen und Juden überall auf der Welt leben können.

Mordserie in Südfrankreich : Verdächtiger in Toulouse beruft sich auf Al Qaida

„Bitte weine und bete dafür, dass Gott Mama und Papa Kraft gibt, damit sie diese schwerste Prüfung überstehen“, sagte der Bruder der getöteten Tochter des Schulleiters vor deren Grab. Zuvor hatte es Streit gegeben, weil der getötete Rabbiner im Unterschied zu den getöteten Kindern kein israelischer Staatsbürger war und damit keinen Anspruch darauf hatte, auf Staatskosten nach Israel übergeführt und bestattet zu werden. Schließlich übernahm die israelische Sozialversicherung aber laut Presseberichten die Kosten in Höhe von rund 50 000 Dollar.

Unterdessen korrigierte das Büro der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton den Text der Rede, die in Israel Empörung hervorgerufen hatte. Während eines Treffens mit palästinensischen Jugendlichen hatte sie am Montag die Morde in Toulouse in Verbindung mit dem Tod unschuldiger Kinder im Gazastreifen erwähnt. Nun teilte ihr Sprecher der Deutschen Presseagentur mit, dass die zunächst veröffentlichte Niederschrift unvollständig gewesen sei. Es sei dabei überhört worden, dass sie nach Gaza auch den israelischen Ort Sderot erwähnt habe. Er wird von Gaza seit Jahren mit Raketen beschossen. Tatsächlich habe der kritisierte Satz daher gelautet: „Wenn wir sehen, was in Gaza und Sderot passiert, in unterschiedlichen Teilender Welt, dann erinnern wir uns an junge Menschen und Kinder, die ihr Leben verloren haben.“

Paketbombe in Paris

In Paris explodierte am Morgen eine Paketbombe vor der indonesischen Botschaft. Nach ersten Erkenntnissen hatten drei Unbekannte das Paket vor dem Gebäude im 16. Pariser Arrondissement deponiert, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise. Verletzt wurde niemand. Der Schaden am Gebäude blieb gering, weil ein Angestellter der Botschaft das Paket zuvor entdeckt hatte. Er transportierte es an eine Straßenkreuzung, bevor er floh. Da zu der Zeit nur wenig Menschen auf der Straße waren, wurde niemand verletzt.

Die Wucht der Explosion beschädigte jedoch in einem Umkreis von 50 Metern mehrere Fahrzeuge. Ein Großaufgebot von Polizisten und Feuerwehrleute sowie Sprengstoff-Fachleuten war im Einsatz. Ein Bekennerschreiben gab es zunächst nicht.

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