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Ein Toter in Riad : Saudi-Arabien fängt Raketen aus dem Jemen ab

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Seit drei Jahren Krieg: Im Jemen kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Bild: Reuters

Immer wieder feuern Huthi-Rebellen aus dem Nachbarland Raketen auf Saudi-Arabien – diesmal töten Trümmer eines abgefangenen Geschosses in Riad einen Ägypter. Oxfam warnt unterdessen vor einer Hungersnot im Jemen.

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          Saudi-Arabien hat sieben aus dem Jemen abgefeuerte Raketen abgefangen. Die Geschosse seien von der Luftabwehr zerstört worden, berichteten saudische Medien in der Nacht zum Montag unter Berufung auf Militärquellen. Drei der Raketen hätten auf die Hauptstadt Riad gezielt, je eine weitere auf Chamis Muschait und Nadschran sowie zwei auf Dschaizan. Bei der Zerstörung der Raketen am Sonntagabend seien Trümmerteile auch auf Wohngebiete gefallen und hätten im Nordosten Riads mindestens einen Menschen getötet. Zwei weitere wurden dort verletzt. Bei den Opfern soll es sich um ägyptische Staatsbürger handeln.

          Die von Huthi-Rebellen im Jemen betriebene Nachrichtenagentur Saba berichtete, Ziel der Raketen sei der internationale Airport von Riad sowie Flughäfen anderer saudi-arabischer Städte gewesen, darunter Abha und Dschazan im Süden des Landes. Saudi-Arabische Behörden waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Reuters-Journalisten hörten mehrere laute Schläge und sahen Rauch über der Hauptstadt.

          Stellvertreterkrieg

          Die Huthi haben schon öfter das Nachbarland mit Flugkörpern beschossen. Die saudi-arabische Regierung wirft dem Erzrivalen Iran vor, die Rebellen mit Raketen auszurüsten. Die Führung in Teheran weist dies zurück. Saudi-Arabien und der Iran ringen in der Region um Vorherrschaft und führen im Jemen einen Stellvertreterkrieg. Saudi-Arabien führt eine Allianz sunnitischer Staaten an, mit denen sie die Regierung des Jemen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen unterstützt. Die Koalition nimmt dabei auch immer wieder Ziele im Jemen unter Beschuss. Seit dem 6. Dezember wurden bei Luftangriffen nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 100 Zivilisten getötet.

          Oxfam warnt vor Hungersnot

          Die Hilfsorganisation Oxfam hat unterdessen die humanitäre Situation im Jemen kritisiert. „Drei Jahre Krieg haben den Jemen an den Rand einer Hungersnot gebracht“, erklärte Oxfam am Montag in Berlin. Die Bevölkerung könne sich kaum noch die notwendigsten Güter wie Nahrung und Wasser leisten. Die stellvertretende Direktorin für humanitäre Hilfe der Organisation, Colette Fearon, äußerte sich anlässlich des dritten Jahrestages der saudi-arabischen Militärintervention in dem Land.

          Oxfam zufolge berichteten Menschen aus Amran, sie könnten sich nur einen halben Sack Mehl pro Monat leisten und müssten mehrfach täglich drei Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle zurücklegen. Seit der Militärintervention im März 2015 sind laut Oxfam die Preise für Reis um 131 Prozent gestiegen, die für Bohnen um 92 Prozent, Pflanzenöl um 86 Prozent und Mehl um 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum habe die Zahl hungernder Menschen um 68 Prozent zugenommen und liege nun bei fast 18 Millionen.

          In dem Krieg seien bisher 5.500 Zivilisten getötet worden, weitere 2.000 seien an der Cholera gestorben. 22 Millionen Menschen seien im gesamten Land auf Hilfslieferungen angewiesen.

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