https://www.faz.net/-gpf-9rnxi

Prekäre Sicherheitslage : Tote und Verletzte bei Wahl in Afghanistan

  • Aktualisiert am

Afghanische Sikhs in Dschalalabad zeigen ihre nach der Stimmabgabe mit Wahltinte eingefärbten Finger. Bild: dpa

Tausende Soldaten und Polizisten bewachen die Wahllokale im Land. Dennoch werden bei Anschlägen drei Menschen getötet.

          2 Min.

          Die Präsidentenwahl in Afghanistan ist landesweit von mehreren Anschlägen überschattet worden. Dabei wurden am Samstag mindestens zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt. Die Wahllokale werden wegen langer Schlangen zwei Stunden länger geöffnet sein.

          Präsident Aschraf Ghani, der abermals für das Amt kandidierte, hatte die 9,6 Millionen registrierten Wähler aufgerufen, trotz der Drohungen der radikalislamischen Taliban ihre Stimmen abzugeben. Landesweit sicherten nach Regierungsangaben etwa 72.000 Soldaten die rund 5000 Wahllokale. In der Hauptstadt Kabul wurde eine teilweise Ausgangssperre verhängt. Lastwagen wurden aus Angst vor Selbstmordattentätern nicht in die Stadt gelassen.

          Trotzdem gab es nach offiziellen Angaben bereits wenige Stunden nach Wahlbeginn an Wahllokalen im ganzen Land Anschläge. Der Fernsehsender „Tolo News“ berichtete von drei getöteten Zivilisten und 27 Verletzten.

          Ghani sagte bei der Stimmabgabe in einer Schule in der Hauptstadt Kabul, Frieden sei der „größte Wunsch“ des afghanischen Volkes. Er forderte die Afghanen zur Stimmabgabe auf, um seiner Regierung „den Auftrag und die Legitimität“ zu erteilen, den bereits fertigen „Fahrplan“ für Frieden voranzutreiben.

          Die Taliban hatten vor der Wahl mit Attacken auf Wahllokale gedroht. Bereits während des zweimonatigen Wahlkampfes hatten Taliban-Kämpfer Veranstaltungen der Präsidentschaftskandidaten mit Anschlägen überzogen. Erst in der vergangenen Woche wurden bei einem Taliban-Anschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung von Präsident Ghani in der zentralen Region Parwan 26 Menschen getötet.

          Insgesamt traten bei der Wahl 18 Kandidaten an. Amtsinhaber Ghani und sein Erzrivale Abdullah Abdullah galten als Favoriten. Mit Ergebnissen wird nicht vor dem 19. Oktober gerechnet. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für November eine Stichwahl vorgesehen.

          Angesichts von Anschlagsdrohungen, aber auch wegen Berichten über Wahlbetrug hatten Beobachter mit einer niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet. Dennoch bildeten sich am Wahltag lange Schlangen vor den Wahllokalen. Viele Afghanen sagten, die Wahl verlaufe korrekt, während sie ihre mit unlöslicher Tinte markierten Finger in die Luft hielten.

          Der frühere afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta beklagte im Deutschlandfunk allerdings Wahlfälschungen. Präsident Ghani kontrolliere alle staatlichen Institutionen einschließlich der Wahlkommission, sagte Spanta dem Sender. Den demokratischen Reformprozess bezeichnete der frühere Diplomat als gescheitert. Auch die amerikanische Botschaft in Kabul zeigte sich „beunruhigt über zahlreiche Beschwerden über die Sicherheit, einen Mangel an Fairness sowie über Betrug“. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres betonte, „jegliche gegen den Wahlprozess gerichtete Gewalt, einschließlich auf Wahllokale, Wahlhelfer und Wähler“ sei „inakzeptabel“.

          Die Präsidentenwahl in Afghanistan sollte ursprünglich bereits im April stattfinden, wurde jedoch zwei Mal verschoben. Grund dafür waren unter anderem die inzwischen abgebrochenen Friedensverhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban.

          Weitere Themen

          „Es war ein quid pro quo“ Video-Seite öffnen

          Sondland belastet Trump schwer : „Es war ein quid pro quo“

          Der amerikanische Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, sagte in der Anhörung für das von den oppositionellen Demokraten angestrebte Amtsenthebungsverfahren, auf Anordnung Trumps sei Unterstützung für die Ukraine von Gegenleistungen der dortigen Regierung abhängig gemacht worden.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.