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Tote Migranten in Polen : Was geschieht im Grenzgebiet zu Belarus?

Gestrandet: Migranten und polnische Grenzbeamte nahe Usnarz Górny am 1. September Bild: Reuters

An der polnisch-belarussischen Grenze ist abermals ein Migrant gestorben. Die Lage ist wegen des Ausnahmezustands schwer zu überprüfen. Die EU mahnt Warschau, die Versorgung der Menschen zu gewährleisten.

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          Seit Monaten versuchen Migranten aus verschiedenen Ländern des Nahen Ostens, Asiens und des westlichen Afrikas, von Belarus aus in die EU zu gelangen. In dieser Woche waren an Polens Ostgrenze die ersten Toten zu beklagen. Ein Tweet des polnischen Grenzschutzes vom Freitag beleuchtet das Geschehen schlaglichtartig: „In der vergangenen Nacht wurde, 500 Meter von der Grenze zu Belarus entfernt, eine Gruppe von Immigranten irakischer Staatsangehörigkeit festgenommen“, heißt es dort. „Ein Mann ist trotz der Wiederbelebungsversuche durch die Patrouille und einen Notarzt verstorben (vermutlich durch Herzinfarkt).“ Am Sonntag hatten polnische Beamte im Grenzgebiet bereits vier tote Menschen entdeckt.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Nachts sind die Migranten niedrigen Temperaturen ausgesetzt. Das gilt auch für die etwa dreißig Personen aus dem Irak oder Afghanistan, die seit gut einem Monat beim polnischen Dorf Usnarz Górny direkt an der Grenze kampieren. Polens Grenzschutz lässt sie nicht nach Westen, belarussische Uniformierte lassen sie nicht zurück nach Osten. Im September hat Polens Grenzschutz bisher rund 5000 Fälle eines versuchten Grenzübertritts gemeldet; im gesamten August waren es nur 3500 gewesen. Pro Tag „verhindert“ er derzeit nach eigenen Angaben jeweils etwa 200 Grenzübertritte. Das bedeutet vermutlich, dass die Menschen verbal oder durch den Einsatz von Gewalt dazu gebracht werden, auf belarussisches Gebiet zurückzukehren. In einigen wenigen weiteren Fällen kommt es zu Festnahmen. Unter den Festgenommenen sind nach diesen Angaben auch Schleuser, die auf der polnischen Seite der Grenze auf die Migranten gewartet hatten.

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