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Weitere Tote in Myanmar : „Die Kugeln fallen herab wie Regen“

Ein in der myanmarischen Stadt Dawei verletzter Demonstrant Bild: AFP

Tränengas, Blendgranaten und weitere Tote – Myanmar erlebt ein blutiges Wochenende. Human Rights Watch und die britische Botschaft kritisieren das Vorgehen der Militärjunta.

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          Nach neuen Protesten gegen den Militärputsch berichten die lokalen und internationalen Medien über mehrere Tote durch Polizeischüsse in Myanmar. In der Stadt Dawei im Süden des südostasiatischen Landes hatte die Polizei demnach willkürlich in die Menge der Demonstranten geschossen. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf Ärzte berichtete, waren dort drei Personen an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben. 50 Menschen seien verletzt worden. In Myanmars größter Stadt Yangon soll der Agentur Reuters und der Nachrichten-Website „Mizzima News“ zufolge ein angeschossener Demonstrant im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen sein. Die Todesopfer kommen zu drei weiteren Toten, die in den Wochen zuvor schon an den Folgen von Polizeischüssen gestorben waren.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Yangon war es in den ersten Wochen seit dem Putsch am 1. Februar trotz riesiger Demonstrationen weitgehend friedlich geblieben, nun entwickeln sich die Protestgebiete in Yangon immer mehr zu einer Kampfzone. An der Hledan-Kreuzung, die in den vergangenen Wochen Schauplatz großer Proteste gewesen war, hatte die Polizei am Sonntag erst Tränengas und Blendgranaten eingesetzt, dann auch auf Demonstranten geschossen. „Die Kugeln fallen herab wie Regen“, beschrieb ein Journalist die Situation auf Twitter. Offenbar wurden dabei sowohl Gummigeschosse als auch scharfe Munition eingesetzt. „Wir versteckten uns in einer Bushaltestelle, als sie auf uns schossen. Eine Person wurde getötet, andere wurden verletzt”, berichtete eine Frau dem Online-Magazin „Frontier Myanmar“.

          Ein Video zeigte einen blutüberströmten Mann, der von Helfern von dem Ort der Demonstration weggebracht wurde. Auf Fotos waren Blut und zerborstenes Glas auf einem Gehweg zu sehen. Ein Journalist des Magazins berichtete, er habe gehört, wie ein Polizist den Demonstranten etwas zugerufen hatte, als er das Feuer auf sie eröffnete: „Wir greifen hart durch, nicht nur, weil es unsere Pflicht ist, sondern weil wir es lieben. Jeder, der jetzt vor der Tür ist, wird getötet!“, rief der Polizist demnach. Allein am Sonntag wurden in Yangon außerdem wieder Dutzende Menschen festgenommen.

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          Die Konfrontation soll schon am Morgen um acht Uhr begonnen haben, als sich etwa 300 Demonstranten und etwa 100 Polizisten einander gegenüber standen. Trotz des härteren Vorgehens der Polizei schon in den vergangenen Tagen ließen sich die Demonstranten zunächst nicht verjagen und warfen unter anderem mit Glasflaschen nach der Polizei. Die Demonstranten hatten sich vorbereitet, viele trugen Bauarbeiterhelme und Schilder aus Holz und Metall.

          Während die Polizei einige Straßen blockierte, hatten die Demonstranten andernorts ihre eigenen Barrikaden aus Autos und Müllbehältern aufgebaut. Sie stellten sich den Sicherheitskräften in den Weg, die Hände zur Faust oder dem Drei-Finger-Gruß gereckt, einem Protestgruß, der aus dem Film „Die Tribute von Panem“ entlehnt ist. Sie legten Poster des Putschgenerals Min Aung Hlaing auf den Boden und traten darauf herum.

          Die britische Botschaft in Myanmar bezeichnete die Gewalt am Sonntag als „inakzeptabel“. Menschenrechtler äußerten ebenfalls Kritik an dem harten Vorgehen der Polizei und den Soldaten des Militärs, das in Myanmar unter dem Namen Tatmadaw bekannt ist. „Die Taten der Polizei und der Sicherheitskräfte der Tatmadaw heute in Yangon und Dawei markieren eine ernste Eskalation im Gebrauch tödlicher Gewalt“, sagte Phil Robertson, der Vize-Asiendirektor von Human Rights Watch. Die Gewaltakte müssten sofort beendet werden.

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