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Tote in Ägypten : Trügerischer Traum

In Ägypten weicht die Hoffnung auf Wandel immer mehr dem trügerischen Traum von einem starken Mann in Uniform, der alles wieder in Ordnung bringt. Er könnte zum Albtraum werden.

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          Der Jahrestag der ägyptischen Revolution war ein schlechter Tag für die Freiheit. Den tunesischen Eliten, die ohne großes Blutvergießen einen Kompromiss geschlossen und zumindest einen fortschrittlichen Verfassungstext auf den Weg gebracht haben, dient Ägypten als heilsames Menetekel. In Kairo schlägt die Stunde der Hardliner und Extremisten.

          Davon zeugen die Bombenkrater in den Straßen, die Dutzende Toten und die Jubelbilder vom „Platz der Befreiung“. Am Schicksalsort des Aufstands gegen Mubaraks Militärregime feierten Abertausende Armeechef Sisi – unter dem Journalisten eingesperrt und kritische Geister als Vaterlandsverräter drangsaliert werden.

          Diese Bilder sind fast noch bedrückender als die Gewaltszenen: Sie zeigen, dass der Traum vom Wandel immer mehr dem trügerischen Traum von einem starken Mann in Uniform weicht, der alles wieder in Ordnung bringt.

          Doch die Männer in Uniform, die zuvor über Ägypten herrschten, hatten weder Freiheit noch das Ende von Armut und Ungerechtigkeit gebracht. Der neue Traum der Ägypter könnte wieder zum Albtraum werden.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

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