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Krieg in der Ukraine : Tote bei Raketenangriff auf Mariupol

  • Aktualisiert am

Dieses Fahrzeug wurde bei dem Raketenangriff auf Mariupol zerstört. Bild: Reuters

Mindestens zehn Menschen sollen bei einem Raketenangriff auf die südostukrainische Stadt Mariupol getötet worden seien. Die Stadtverwaltung macht prorussische Separatisten dafür verantwortlich. Die EU fordert einen sofortigen Feuerstopp.

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          Nach der Ankündigung einer Großoffensive der prorussischen Separatisten in der Ostukraine sind beim Beschuss eines Wohnviertels in Mariupol mindestens 20 Zivilisten getötet worden. Das sagte ein Behördensprecher der Agentur Interfax zufolge am Samstag. Mehr als 80 Menschen seien verletzt worden, teilte die Verwaltung der Hafenstadt am Asowschen Meer mit.

          Ukrainische Medien zeigten Bilder von brennenden Autos und einer schwarzen Rauchsäule über einem Vorort von Mariupol. Das Militär und die Aufständischen machten sich gegenseitig für den Angriff verantwortlich. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage im Osten des Landes.

          Die neue Gewalteskalation untergräbt Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Seit einem Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschärft. Dutzende Zivilisten wurden getötet.

          Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats in Kiew, Alexander Turtschinow, warf Russland vor, moskautreue Separatisten bei dem Angriff auf den Vorort von Mariupol unterstützt zu haben. Russland hatte ähnliche Anschuldigungen in der Vergangenheit zurückgewiesen.Die Aufständischen sprachen von einer Provokation der prowestlichen Führung in Kiew. Sie hätten keine Geschütze mit einer entsprechenden Reichweite in der Gegend stationiert, hieß es.

          Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schickte nach eigenen Informationen Beobachter zur Überprüfung des Vorfalls nach Mariupol. Die OSZE forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe in Wohngegenden sowie den Abzug schwerer Waffen, wie ihn Vertreter der ukrainischen Führung und der moskautreuen Separatisten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbart hatten.

          Ein Haus hat nach dem Raketenangriff auf Mariupol Feuer gefangen.
          Ein Haus hat nach dem Raketenangriff auf Mariupol Feuer gefangen. : Bild: dpa

          Die OSZE sei zu Vermittlungen bereit, hieß es. Die Aufständischen hatten neue Gespräche in Minsk jedoch zunächst abgelehnt. Ihr Anführer Alexander Sachartschenko sagte, er wolle nur noch mit Präsident Petro Poroschenko sprechen. In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben seit April 2014 mehr als 5000 Menschen getötet.

          Mariupol ist die letzte größere Stadt in der Region, die von Kiew kontrolliert wird. Die Hafenstadt ist strategisch wichtig, weil sie zwischen den von den Rebellen kontrollierten Gebieten in der Ostukraine und der von Russland annektierten Halbinsel Krim liegt.

          Der Sekretär des Sicherheitsrates in Kiew, Alexander Turtschinow, sprach von „regulären Einheiten der russischen Streitkräfte“, die eine Offensive gestartet hätten. Die „russischen Terrorgruppen“ würden praktisch entlang der ganzen Frontlinie angreifen, „nahe bei Donezk und im Süden“. Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Lage aber unter Kontrolle und würden zum Gegenangriff ausholen.

          Krieg in der Ostukraine : Zahlreiche Tote beim Beschuss einer Bushaltestelle

          Russlands Präsident Wladimir Putin warf Kiew am Freitag vor, für die zahlreichen Todesopfer der vergangenen Tage verantwortlich zu sein. Bei der „großangelegten Militäroperation“ seien Artillerie und Luftwaffe eingesetzt worden, und das über bewohnten Gegenden, sagte Putin bei einem Treffen mit seinem Sicherheitskabinett.

          Nach monatelangen Gefechten hatten sich die ukrainischen Truppen am Donnerstag von dem völlig zerschossenen Flughafen zurückgezogen. In der Ukraine wird die Schlacht um das Areal mit der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg verglichen.

          Die EU zeigte sich besorgt über die Eskalation der Gewalt. Eine Sprecherin der  Außenbeauftragten Federica Mogherini sagte, man müsse nun schnell die Kämpfe einstellen und das Minsker Abkommen umsetzen. Verantwortlich sei dafür besonders Russland.

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