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Tomislav Nikolić : Der Extremist

Tomislav Nikolić
          2 Min.

          Im Oktober 1941 erschossen Soldaten der Wehrmacht in der serbischen Industriestadt Kragujevac bei einer „Sühneaktion“ mehr als 2300 Zivilisten, nachdem zuvor bei einem Partisanenüberfall in der Nähe mehrere deutsche Landser getötet, andere verwundet worden waren. Hitlers aus der Steiermark stammender bevollmächtigter Kommandierender General in Serbien, Franz Böhme, hatte am 10. Oktober 1941 zur „Niederwerfung der kommunistischen Aufstandsbewegung in Serbien“ befohlen, bei Verlusten „an deutschen Soldaten oder Volksdeutschen“ seien umgehend „Erschießungen in folgenden Sätzen anzuordnen: Für jeden getöteten oder ermordeten deutschen Soldaten oder Volksdeutschen . . . 100 Gefangene oder Geiseln. Für jeden verwundeten deutschen Soldaten oder Volksdeutschen 50 Gefangene oder Geiseln. Die Erschießungen sind durch die Truppe vorzunehmen.“ Vor den Gewehrmündungen der Deutschen und Österreicher, die im besetzten Serbien Hitlers Reich repräsentierten, standen damals auch 41 Männer namens Nikolić. Das ist ein häufiger Name im Serbischen, wie Schmidt oder Schröder im Deutschen.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Nicht ganz elf Jahre nach dem Massaker, im Februar 1952, wurde in Kragujevac Tomislav Nikolić geboren. Er wuchs in einer Stadt auf, in der es kaum eine Familie gab, die nicht bei dem „Kragujevacer Oktober“ Verwandte verloren hatte. Auch Männer aus der weiteren Verwandtschaft Tomislav Nikolićs waren erschossen worden.

          Karadžić und Mladić - „serbische Helden“?

          Gut fünfzig Jahre nach diesem Massenmord fanden wieder Massaker auf dem Balkan statt. Das berüchtigtste im Juli 1995 in Srebrenica. Diesmal waren Serben Täter, nicht Opfer. Unter dem Befehl ihres Generals Mladić erschossen bosnische Serben und Freischärler aus Serbien mehr als 7000 bosnische Muslime. Das Massaker war eine jener „ethnischen Säuberungen“, mit denen der bosnische Serbenführer Karadžić serbisch dominierte Gebiete an der Grenze zu Serbien schuf, die heute die „Republika Srpska“ von Bosnien-Hercegovina bilden.

          Tomislav Nikolić, von 1991 bis 2008 Stellvertretender Chef der extrem nationalistischen „Serbischen Radikalen Partei“ des vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal angeklagten ehemaligen Freischärlerführers Šešelj, unterstützte diese Politik. Noch Jahre später sagte er: „So lange ich lebe, soll mir bloß niemand erzählen, dass Radovan Karadžić und Ratko Mladić Verbrecher sind.“ Es müsse endlich ein Ende damit haben, serbische „Helden“ an das Haager Tribunal auszuliefern.

          Am Sonntag wurde Nikolić zum Staatspräsidenten Serbiens gewählt. Zu Beginn seiner Karriere leitete er in Kragujevac zeitweilig das städtische Bestattungswesen. Daher sein Kosename „Toma grobar“ (Toma, der Totengräber). Bei Präsidentschaftswahlen scheiterte er mehrfach nur knapp. Zuletzt 2008, trotz der Unterstützung von Peter Handke, der nach Serbien gereist war und sich beim freundschaftlichen Händeschütteln mit Nikolić fotografieren ließ. Wäre er Serbe, er wählte Nikolić, sagte der Dichterfürst. Nun hat Nikolić es auch ohne Handke geschafft.

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