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Tötung Usama Bin Ladins : Die Jagd auf „Geronimo“

  • -Aktualisiert am

Wrackteile des abgestürzten amerikanischen Hubschraubers an der Mauer des Anwesens von Usama Bin Ladin Bild: dpa

Unter dem Decknamen „der Kuweiter“ war der Pakistaner Scheich Abu Ahmed den Ermittlern der CIA seit Jahren bekannt. Doch es dauerte lange, ehe er sie auf die Spur des Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin brachte.

          Abu Ahmed al Kuwaiti war den amerikanischen Geheimdiensten seit Jahr und Tag bekannt. Von dem mysteriösen Mann hatten in Verhören schon einige der allerersten Gefangenen berichtet, die im Dezember 2001 in das Gefangenenlager Guantánamo Bay im Südosten Kubas gebracht worden waren. Manches spricht dafür, dass der Name auch bei Verhören gefallen ist, die von Mitarbeitern des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA in Geheimgefängnissen in verschiedenen Ländern geführt wurden, wohl auch unter Anwendung „harscher“ Verhörmethoden.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Klar ist, dass die CIA seit gut neun Jahren auf der Spur des Mannes war, der die Amerikaner schließlich zu Usama Bin Ladin führte. In der Nacht zum Montag waren „der Kuweiter“ und sein Bruder die ersten, die beim Zugriff amerikanischer Spezialeinheiten in Abbottabad im Kugelhagel von „Team 6“ der Seal-Elitetruppen der amerikanischen Kriegsmarine starben.

          Wenige Minuten später wurden im zweiten Obergeschoss des Gebäudes auch Usama Bin Ladin, sein jüngster Sohn und eine seiner vier Frauen erschossen. Nach nur 40 Minuten flogen die 79 Navy Seals in ihren drei Hubschraubern wieder in Richtung Westen über die Grenze nach Afghanistan. Nur der Leichnam Bin Ladins war an Bord eines der Hubschrauber, die vier anderen Toten wurden in Abbottabad zurückgelassen.

          Eine Schlüsselfigur

          Etwa Anfang 2002 begannen die Terroristenjäger der CIA, der Bundespolizei FBI und der Streitkräfte, die bei den Verhören in Guantánamo und in CIA-Geheimgefängnissen von den Gefangenen erhaltenen Informationen systematisch zusammenzustellen. Eine Schlüsselfigur unter den Fußsoldaten, Kurieren und Geldboten des Terrornetzes Al Qaida beim Einsatz in Afghanistan und Pakistan war offenbar der Mann aus dem Golfemirat, Abu Ahmed „al Kuwaiti“.

          Er wurde von mehreren Gefangenen als derjenige genannt, der die Kommunikation zwischen den Führungsfiguren um Usama Bin Ladin, Ayman al Zawahiri, Khalid Scheich Mohammed und Abu Faradsch al Libi aufrechterhielt.

          Wichtige Kurierdienste für Al Qaida

          Als Scheich Mohammed im März 2003 in der pakistanischen Stadt Rawalpindi festgenommen wurde, befragten ihn seine amerikanischen Vernehmer auch nach „al Kuwaiti“. Mohammed bestritt nicht, einen Mann dieses Namens zu kennen, dieser habe aber nichts mit Al Qaida zu tun. Im Jahr 2004 wurde im Irak das Al-Qaida-Führungsmitglied Hassan Ghul gefasst. Er bestätigte bei Verhören, dass „al Kuwaiti“ wichtige Kurierdienste für Al Qaida erledige.

          Vor allem sei er ein enger Vertrauter von Faradsch al Libi, der nach Mohammeds Festnahme in Pakistan dessen Aufgabe als Chefplaner für Terrorangriffe übernommen habe. Die Aussagen Ghuls brachten offenbar den Durchbruch auf der Suche nach Bin Ladins wichtigstem Boten. „Hassan Ghul war der Dreh- und Angelpunkt“, wird ein CIA-Ermittler in amerikanischen Medien zitiert.

          Im Mai 2005 konnte al Libi in einer gemeinsamen Aktion der CIA und des pakistanischen Geheimdienstes in Mardan in Pakistan gefangengenommen werden. Im CIA-Verhör sagte al Libi, dass er von seiner Ernennung zum Nachfolger Mohammeds durch einen Kurier erfahren habe. Al Libi nannte jedoch den erfundenen Namen eines Kuriers und bestritt, „al Kuwaiti“ zu kennen. Das bestärkte die Ermittler der CIA in der Annahme, „al Kuwaiti“ müsse eine zentrale Rolle als Kurier für Al Qaida spielen. Weil die entscheidenden Hinweise auf Scheich Abu Ahmed und damit auf das Versteck Bin Ladins von mutmaßlichen Terroristen stammten, dürfte das auf Bin Ladin ausgesetzte Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar nicht ausbezahlt werden.

          Ein Spur zu Bin Ladins Versteck

          Bald nach der Festnahme al Libis ermittelte die CIA in Zusammenarbeit mit anderen Geheim- und Aufklärungsdiensten die Identität des Kuriers „al Kuwaiti“: Es handelte sich um einen in Kuweit geborenen Pakistaner mit dem Namen Scheich Abu Ahmed. Wo er sich aufhielt, war zunächst unklar. Doch Mitte vergangenen Jahres führte er ein Telefongespräch über eine Leitung, die abgehört wurde.

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