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Einsatz in Afghanistan : Australien lässt mögliche Kriegsverbrechen untersuchen

Will „mit ehrlichen und brutalen Wahrheiten“ umgehen: der australische Premierminister Scott Morrison am Donnerstag im Parlament in Canberra Bild: dpa

Haben australische Soldaten Kriegsverbrechen an Zivilisten in Afghanistan begangen? Bestehende Vorwürfe werden nun untersucht. Premierminister Scott Morrison stimmt Australien auf „brutale Wahrheiten“ ein.

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          Australiens Regierung will einen Sonderermittler ernennen, der mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Soldaten in Afghanistan untersuchen soll. Es müsse sichergestellt werden, dass der Gerechtigkeit genüge getan wird, falls einige sich nicht den hohen Standards der australischen Streitkräfte entsprechend verhalten hätten, sagte der australische Premierminister Scott Morrison am Donnerstag in Canberra. Er bezog sich dabei auf einen Bericht des Generalinspekteurs der Armee, der Vorwürfe gegen die australischen Sondereinsatzkräfte in Afghanistan in den Jahren 2005 bis 2016 untersucht hatte. Sie beziehen sich unter anderem auf Enthüllungen des Senders ABC, wonach Elitesoldaten in Afghanistan Zivilisten und Gefangene getötet haben sollen, darunter auch Kinder.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Generalinspekteur hatte seinen Bericht kürzlich an den Armeechef Angus Campbell übergeben. Es wird erwartet, dass sich der General am Donnerstag kommender Woche zu dem Thema äußert, wenn auch die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht werden. Der Premierminister bereitete seine Landsleute auf Enthüllungen vor, die nur schwer zu verkraften seien. „Die Veröffentlichung des Berichts wird schwierige und brutale Wahrheiten für die Australier bringen“, sagte Morrison. Für den Fall, dass der Ermittler Beweise für ein Fehlverhalten finden sollte, sollten diese an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden.

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          Mit diesem Vorgehen will die Regierung laut Morrison auch verhindern, dass Australier vor dem Internationalen Strafgericht angeklagt werden. „Wir müssen uns dieser Sache als Australier und im Einklang mit unseren eigenen Gesetzen und durch unseren eigenen Justizprozess stellen”, sagte Morrison. Es handele sich um komplexe Ermittlungen, die eine hohe Zahl an Vorfällen beträfen. Es gehe um Vorwürfe „ernsten und möglicherweise kriminellen Fehlverhaltens“.

          Die Ermittlungen der Regierung folgen auf einen Streit mit dem Sender ABC, dem die Veröffentlichung von Geheimmaterialien vorgeworfen worden waren. Der Sender hatte in den sogenannten Afghanistan-Akten unter anderem über den Fall eines hochdekorierten Veteranen berichtet, der einen Gefangenen erschossen haben soll, weil es für ihn keinen Platz in einem Hubschrauber mehr gab.

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