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Todesurteil vollstreckt : Saddam Hussein hingerichtet

  • Aktualisiert am

Das Urteil wird vollstreckt Bild: AFP

Das Todesurteil gegen den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein ist vollstreckt worden. Saddam starb durch den Strang, das Fernsehen übertrug Teile der Hinrichtung. Präsident Bush lobte die Exekution, aus Europa kam Kritik.

          Das Todesurteil gegen Saddam Hussein ist am Samstag morgen gegen 6 Uhr Ortszeit vollstreckt worden. Der ehemalige irakische Diktator starb im Alter von 69 Jahren durch den Strang.

          Etwa sechs Stunden nach Hinrichtung strahlte das Staatsfernsehen „Al Irakija“ Videobilder von der Exekution aus. Sie zeigten zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, wie sie Saddam ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn in einen Raum zum Galgen führen. Die Scharfrichter, die dem gefesselten Saddam anscheinend die Prozedur erläutern, legen ihm dann die Schlinge um den Hals und ziehen sie fest. Danach wurde die Ausstrahlung abgebrochen. Saddam, der in einen schwarzen Mantel gekleidet war und dessen Kopf unverhüllt blieb, wirkte gefaßt und nachdenklich. Einige Male schluckte er.

          Saddams Opfer sollen Leiche besichtigen können

          Private Fernsehsender zeigten Saddam auch nach der Exekution. Zu sehen war allerdings nur der durch den Tod am Strang abgeknickte Kopf, die Augen der Leiche waren geschlossen. Die Bildqualität der nur wenige Sekunden gezeigten Aufnahme war zudem schlecht. Der Leichnam war in ein weißes Hemd gekleidet und in Teilen mit einem weißen Tuch bedeckt.

          Zwei Maskierte exekutieren Saddam

          Saddams Körper wurde in das Bürogebäude des Ministerpräsidenten Nuri al Maliki im Bagdader Regierungsviertel gebracht. Die Regierung will den Opfern des ehemaligen Diktators die Gelegenheit geben, dessen Leiche zu besichtigen. Saddam werde wahrscheinlich an einem geheimen Ort im Irak beigesetzt, sagte Sami al Askari, ein Vertrauter von Ministerpräsident Maliki. Die Bitte der Familie, den Leichnam an sie zu übergeben, lehnte die Regierung ab. Saddams Familie hatte sich für eine vorübergehende Beerdigung im Jemen ausgesprochen, bis der Irak von den Invasoren befreit sei.

          Das Todesurteil gegen Saddam war im ersten Prozeß gegen den ehemaligen Machthaber gefallen. Im Zentrum stand ein Massaker an Schiiten in dem Dorf Dudscheil im Jahr 1982.

          Bush schlief zum Zeitpunkt der Hinrichtung

          Der amerikanische Präsident George W. Bush nannte die Exekution am Samstag morgen einen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak. Urteil und Hinrichtung seien das Ergebnis eines fairen Prozesses, wie ihn der Saddam „den Opfern seines brutalen Regimes“ vorenthalten habe, sagte Bush auf seiner Ranch in Texas. Die Exekution werde die Gewalt in dem Land aber nicht beenden.

          Im Augenblick der Hinrichtung hatte Bush laut einem Sprecher des Weißen Hauses geschlafen. Der Präsident habe den Freitag mit dem Wissen beendet, daß die „letzte Phase“ der Verurteilung Saddam Husseins begonnen habe, sagte der Sprecher. Im texanischen Crawford war es zum Zeitpunkt der Hinrichtung 22 Uhr Ortszeit.

          Auch die australische Regierung hat die Hinrichtung positiv aufgenommen. Außenminister Alexander Downer bezeichnete Saddams Tod als „wichtigen Schritt“ auf dem Weg zu einer historischen Beurteilung seines „tyrannischen Regimes“. Jetzt könne der Prozeß der Versöhnung fortgesetzt werden.

          „Grausam und barbarisch“

          Im Gegensatz dazu verurteilte die Europäische Union das Urteil und seine Exekution aus grundsätzlichen Erwägungen. Die Todesstrafe hätte auch in diesem Fall nicht angewendet werden sollen, in dem es keine Zweifel an der Schuld Saddams wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen gegeben habe, sagte der finnische Außenminister Erkki Tuomioja. Auch gegen das Gerichtsverfahren gebe es ernsthafte Einwände. Der Europarat nannte die Hinrichtung „grausam und barbarisch“.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag in Berlin: „Wir respektieren dieses Urteil, aber es ist bekannt, daß die Bundesregierung gegen die Todesstrafe ist.“ Auch die Außenministerien von Frankreich und Großbritannien sowie der Vatikan brachten ihre grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Es bestehe zudem „das Risiko, daß dies den Geist der Rache noch anstachelt und neue Gewalt sät“, sagte ein Vatikansprecher.

          Iran: „Ein Sieg für das irakische Volk“

          In Deutschland verurteilten Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien die Vollstreckung des Todesurteils. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, sprach von einer verpaßten Chance für den Irak, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte: „Wir wenden uns gegen die Todesstrafe, egal wo sie angewandt wird.“ Der SPD-Europapolitiker Martin Schulz nannte die Hinrichtung Saddams einen „staatlich sanktionierten Mord“, der nicht zur Befriedung des Iraks beitragen könne.

          Der stellvertretende iranische Außenminister Hamid Resa Assefi sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, die Exekution sei „ein Sieg für das irakische Volk, und kein anderes Land sollte sich diesen zuschreiben“. Assefi kritisierte allerdings die schnelle Ausführung der Exekution und vermutete dahinter die Absicht der Vereinigten Staaten, die Verfahren gegen Saddam nun zu beenden. Untersuchungen der irakischen Invasion des Irans im Jahr 1980 und Kuweits im Jahr 1990 hätten möglicherweise noch eine amerikanische Verwicklung in die Verbrechen Saddams ans Tageslicht bringen können, so Assefi.

          Anschläge in Kufa und Bagdad

          Nur wenige Stunden nach der Hinrichtung Saddams sind bei einem Anschlag im Südirak mindestens 30 Menschen getötet worden. Hinweise, ob der Autobombenanschlag in der Stadt Kufa mit des Exekution Saddams im Zusammenhang steht, gab es zunächst aber nicht. Wie der Nachrichtensender Al Arabija unter Berufung auf Ärzte berichtete, explodierte die Sprengladung in der vornehmlich von Schiiten bewohnten Stadt auf einem Marktplatz.

          Im Viertel Hurrija im Nordwesten Bagdads explodierten am Samstag fast gleichzeitig drei Autobomben. Dabei wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte 37 Menschen getötet und 76 verletzt.

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