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Anschlag auf Kim Jong-nam : Giftmord in der Wartehalle

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (rechts) und sein Halbbruder Kim Jong-nam Bild: AFP

Nach dem Tod von Kim Jong-nam in Malaysia verdichten sich die Hinweise auf einen Mordanschlag: Hat Diktator Kim Jong-un seinen Halbbruder von zwei Agentinnen aus dem Weg räumen lassen? Nun gab es die erste Festnahme.

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          Der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers reiste unter falschem Namen. Der Pass Kim Jong-nams war nach Angaben der malaysischen Polizei auf den Namen Kim Chol ausgestellt. Gegen zehn Uhr am Montagmorgen wollte er von Malaysias Hauptstadt aus in das chinesische Macau fliegen. In der Wartehalle des Terminals KLIA2, an dem in Kuala Lumpur die Billigfluglinien untergebracht sind, traten zwei Frauen auf ihn zu, sprühten ihm eine Flüssigkeit ins Gesicht und hielten ihm ein Tuch vor den Mund. Das geht laut Polizeiangaben aus Aufnahmen hervor, die von Überwachungskameras in der Wartehalle aufgezeichnet wurden. Nach dem Angriff sei der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un zu einem Informationsschalter gegangen und habe über den Vorfall berichtet. Er habe über Schmerzen geklagt. Daraufhin sei Kim Jong-nam in eine Krankenstation am Flughafen gebracht, dann aber in ein Krankenhaus verlegt worden. Auf dem Weg dorthin sei er gestorben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Am Mittwoch kursierten in Kuala Lumpur unscharfe Standbilder der Überwachungskamera-Aufnahmen, die die mutmaßlichen Täterinnen zeigen sollen. Eine der Verdächtigen, eine Frau mit offenbar stark geschminktem Gesicht, trägt eine kleine Handtasche und ein weißes Oberteil, auf das die Buchstaben „LOL“ gedruckt sind – die in sozialen Netzwerken verwendete Kurzform für „laut auflachen“.

          Eine Verdächtige gefasst, mindestens eine weitere auf der Flucht

          Die Polizei teilte am Mittwoch mit, eine Verdächtige mit vietnamesischem Pass sei festgenommen worden. Die Frau, Doan Thi Huong, sei 28 Jahre alt und habe am Morgen versucht, zurück nach Vietnam zu reisen. Dabei sei sie identifiziert und verhaftet worden. Die Beamten bestätigten laut der Zeitung „The Star“, dass es sich bei der Festgenommenen um eine der beiden Frauen auf den Fotos handele. „Sie ist es“, sagte der Vize-Generalinspektor Noor Rashid Ibrahim. Auch einem Taxifahrer hatten die Frauen demnach erzählt, sie kämen aus Vietnam. Zunächst hatten nicht namentlich genannte südkoreanische Regierungsmitarbeiter gegenüber Medien erklärt, die Tat sei von „nordkoreanischen Agentinnen“ verübt worden, die den Halbbruder Kim Jong-uns im Auftrag des jungen Diktators töten sollten. Nach der zweiten Frau, die nach Polizeiangaben auf den Videoaufnahmen vom Tathergang zu sehen ist, wurde zunächst noch gefahndet, ebenso nach vier Männern, mutmaßlichen Komplizen.

          Den Toten haben die Behörden zwar noch nicht endgültig identifiziert. Aber die Geheimdienste in Südkorea und den Vereinigten Staaten scheinen sich sicher zu sein, dass es sich um Kim Jong-nam handelt. Sein Leichnam wurde am Mittwochmorgen ins städtische Krankenhaus von Kuala Lumpur zur Obduktion gebracht.

          Es ist wohl kein Zufall, dass das Attentat in Malaysia und nicht etwa in China verübt wurde, wo der Halbbruder Kim Jong-uns wohnte, seit er sich vor Jahren aus Nordkorea abgesetzt hatte. Malaysia unterhält diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu dem Regime in Nordkorea – ebenso wie Vietnam, aus dem mutmaßlich die Festgenommene stammt. Das gleiche gilt für Burma, Indonesien, Kambodscha, Laos und Singapur. In vielen dieser Länder betreibt Pjöngjang Restaurants zur Devisenbeschaffung. Kim Jong-nam soll sich außer an seinem Wohnsitz in Macau auch oft in Singapur und Malaysia aufgehalten haben.

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