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Unruheregion Tigray : Aufständische rücken in Äthiopiens Norden vor

Verletzte am 24. Juni im Krankenhaus in Mekele Bild: AFP

Kräfte der „Volksbefreiungsfront von Tigray“, die von der Zentralregierung bekämpft wird, haben offenbar die Regionalhauptstadt Mekele zurückerobert. Ihren Kampf wollen sie trotz Waffenruhe weiter fortsetzen.

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          In der äthiopischen Region Tigray haben Kräfte der von der Zentralregierung bekämpften „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) nach eigenen Angaben die Regionalhauptstadt Mekele zurückerobert. Man habe einen „atemberaubenden Sieg“ errungen und dem Feind einen erniedrigenden Verlust zugefügt, hieß es vonseiten der TPLF in der Nacht zum Dienstag. Unbestätigten Medienberichten zufolge hatten Repräsentanten der Zentralregierung schon am Wochenende überstürzt die Stadt verlassen. Bewohner hätten die Ankunft der Rebellenkräfte am Montagabend auf den Straßen gefeiert. Die TPLF soll auch den Flughafen von Mekele wieder kontrollieren. Ungeachtet einer von der Regierung am Montagabend ausgerufenen einseitigen Waffenruhe wolle sie den Kampf fortsetzen, bis das gesamte Gebiet wieder unter ihrer Kontrolle sei, teilte die frühere TPLF-Regionalregierung mit.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

          Anfang November vergangenen Jahres war ein schwelender Konflikt zwischen der in Tigray regierenden TPLF und der Zentralregierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed in einen bewaffneten Konflikt umgeschlagen. Äthiopische Truppen rückten in der nördlichen Region ein, sie wurden dabei von ethnischen Milizen aus den benachbarten Regionen Amhara und Afar sowie vor allem von Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea unterstützt, mit dem Abiy 2018 Frieden geschlossen hatte. Nach sechs Wochen erklärte der Ministerpräsident die Einnahme Mekeles und den Sieg über die TPLF, eine Übergangsregierung wurde in Tigray eingesetzt.

          Gräueltaten an der Zivilbevölkerung

          Im Hinterland der gebirgigen Region gingen die Kämpfe jedoch weiter. Die TPLF verlegte sich auf einen Guerillakrieg. Nach eigenen Angaben haben ihre Kräfte in den vergangenen Wochen große Geländegewinne erzielt und Waffen und Bestände des Gegners erbeutet. Laut Berichten von Beobachtern erhält die TPLF Zulauf von jungen Menschen, während sich die Berichte über Gräueltaten an der Zivilbevölkerung mehren.

          In der vergangenen Woche gab das äthiopische Militär zu, für einen Luftangriff auf einen belebten Markt in dem Ort Togoga verantwortlich zu sein, bei dem 64 Menschen getötet und 180 verletzt wurden. Laut Angaben des Militärs waren Kämpfer das Ziel des Angriffs. Kurz darauf wurden drei Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen unter ungeklärten Umständen getötet; damit liegt die Zahl getöteter Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seit Beginn des Konflikts bei mindestens elf. Die Zahl der Toten insgesamt wird auf viele Tausend geschätzt. Genauere Angaben liegen nicht vor, da Tigray weiter zum großen Teil abgeschottet ist. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge benötigen mehr als fünf Millionen Menschen humanitäre Hilfe.

          UN-Generalsekretär António Guterres telefonierte am Montagabend mit Ministerpräsident Abiy. Die Situation in Tigray sei „äußerst besorgniserregend“, ließ er danach mitteilen. Die USA, Großbritannien und Irland haben eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Konflikt beantragt – es wäre die erste.

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