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Indonesien : Die Tücken einer neuen Hauptstadt

Noch ist hier wenig zu sehen: An diesem Ort soll Indonesiens neue Hauptstadt entstehen. Bild: AFP

Jakarta versinkt langsam im Meer. Deshalb plant die indonesische Regierung eine neue Hauptstadt auf Borneo. Doch der Plan ist problematisch.

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          Während die alte Hauptstadt sinkt, wird anderswo eine neue hochgezogen. Das ist jedenfalls der Plan des indonesischen Präsidenten Joko Widodo, der am Montag zum ersten Mal den Standort der zukünftigen Hauptstadt Indonesiens bekanntgegeben hat. Das Gebiet liegt auf der Insel Borneo zwischen den größten Städten in der Provinz Ostkalimantan, Balikpapan und Samarinda. Der Umzug von Behörden, Regierung und Parlament soll vor allem die 30-Millionen-Metropole Jakarta entlasten. Sie leidet an endlosen Staus, verschmutzter Luft und großflächigen Überschwemmungen. Studien zufolge könnten in den kommenden zehn Jahren schon ein Viertel der Stadt unter Wasser liegen. „Jakarta muss die überwältigende Last als Zentrum der Verwaltung, der Wirtschaft, der Finanzen, des Handels und der Dienstleistungen tragen, und beherbergt gleichzeitig den größten Flughafen und den größten Seehafen des Landes“, sagte Widodo in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Problem der regelmäßigen Überflutungen verschärft sich, weil der Boden in manchen Gebieten der Stadt sogar um mehr als zehn Zentimeter im Jahr absinkt. Der Hauptgrund dafür ist die übermäßige Entnahme von Grundwasser. Und noch einen Vorteil hat der zukünftige Standort auf Borneo gegenüber Jakarta: „Das Risiko von Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen ist minimal“, sagte Widodo. Dagegen befürchten Umweltschützer, dass das Megaprojekt unwiderrufliche Folgen für die Natur auf der drittgrößten Insel der Erde haben könnte. Schon jetzt stehen die Regenwälder Borneos und damit bedrohte Tiere wie der Orang-Utan unter Druck der Holz-, Papier- und Palmölindustrie. Dafür hat einer von Widodos Ministern angekündigt, dass die neue Metropole als intelligente „Waldstadt“ geplant werde.

          Die neue Hauptstadt werde vor allem strategisch im Zentrum Indonesiens liegen, sagte der 58 Jahre alte Präsident bei der Vorstellung seines Plans. Tatsächlich liegt der geographische Mittelpunkt des Staates mit seinen 17.000 Inseln nicht auf der Insel Java und der dortigen Hauptstadt Jakarta, sondern in Kalimantan, wie der indonesische Teil Borneos genannt wird. Dennoch war in dem Vielvölkerstaat lange die javanische Kultur dominant. Das liegt nicht zuletzt an den vielen Menschen auf der bevölkerungsreichsten Insel, die etwa 54 Prozent der 260 Millionen Indonesier beherbergt. Mit dem Umzug von mehr als einer Million Staatsbediensteten könnte die Peripherie gestärkt werden.

          Einen Namen gibt es noch nicht

          Präsident Joko Widodo, der früher Bürgermeister der Stadt Solo und Gouverneur von Jakarta war, ist zwar durch und durch Javaner. Aber er hat sich auch die Entwicklung des Hinterlandes auf die Fahnen geschrieben. Seine erste Amtszeit war geprägt durch den Ausbau von Häfen, Flughäfen und Straßen auch in abgelegenen Gebieten. Er war erst im Mai wiedergewählt worden. Die Verlegung der Hauptstadtverwaltung von Jakarta nach Borneo wird zu den wichtigsten Projekten seiner Präsidentschaft gehören. Der Beginn für den Umzug ist für das Jahr 2024 geplant, wenn seine zweite Amtszeit endet. Das Projekt wird ungefähr zehn Jahre dauern und 32 Milliarden Dollar kosten. Die Bauarbeiten sollen in zwei Jahren beginnen.

          Einen Namen für die neue Hauptstadt gibt es noch nicht. In dem nun ausgewiesenen Gebiet befindet sich auch ein Waldgebiet mit dem Namen Bukit Soeharto, das nach dem ehemaligen indonesischen Diktator Suharto benannt wurde. Er soll dort in den siebziger Jahren einen Stopp eingelegt und von einem Hügel aus die Landschaft bewundert haben. Auf diese Anekdote bezog sich der Präsident in seiner Rede am Montag nicht. Aber auch Jakarta hat durchaus seine Vergangenheit. Unter dem Namen Batavia war sie die Hauptstadt der holländischen Kolonialherren. Mit der Verlegung der Hauptstadt unterstreicht Indonesien auch seine Eigenständigkeit. Und nebenbei lässt der Präsident sein politisches Erbe in Beton gießen.

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