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Tibet : Wie nennen die Chinesen das noch?

  • -Aktualisiert am

Wachsam beäugt: Mönche im Tibeterviertel der Provinzhauptstadt Chengdu Bild: AP

Ein Land, zwei Systeme: Nicht Unabhängigkeit, sondern Autonomie fordern die Tibeter. Auch die Mönche in Sichuan haben noch kein klares Bild von der Lage in Lhasa. Sie hören von immer neuen Repressalien und haben Angst.

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          Das tibetische Viertel von Chengdu steht rund um die Uhr unter Polizeibewachung. Ein Mannschaftswagen und mehrere Einsatzfahrzeuge patrouillieren in der Tibet-Straße der Provinzhauptstadt und haben ein wachsames Auge auf rotgewandete Mönche, tibetische Reisende und ein paar Touristen, die hier unterwegs sind. In den kleinen, meist von Tibetern betriebenen Läden des Viertels gibt es die roten und gelben Mönchskutten zu kaufen, goldene Buddha-Figuren, bunte Tempel-Ornamente und tibetische Schriften. Der Mönch aus Kardze, einem tibetischen Kreis in der Bergregion von Sichuan, der sich in einem der vielen kleinen Läden goldene Figuren für sein Kloster aussucht, schaut vorsichtig in Richtung Polizeiwagen, bevor er von der Lage in seiner Heimat berichtet.

          Vor drei Tagen hat die Polizei am Kloster Tongkor, das hinter einem Bergzug noch 60 Kilometer hinter dem Ort Kardze (chinesisch: Ganzi) liegt, das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Vier Menschen seien getötet, 70 verletzt worden. Genaues über den Hergang kann er nicht sagen. Viele Tibeter seien verhaftet worden, und die Lage sei gespannt. „Ich kann nicht alles erzählen, dann bekommen wir Schwierigkeiten“, sagt er. Und dann setzt er doch nach: „Haben Sie die Berichte über Tibet im chinesischen Fernsehen gesehen?“, fragt er. „Alles Lügen!“

          Warten auf die Rückkehr des Dalai Lama

          Nach den offiziellen chinesischen Berichten haben am vergangenen Donnerstag in Kardze chinesische Sicherheitskräfte „in Notwehr“ auf einen Mob Warnschüsse abgegeben. Aufrührer hätten den Sitz der Kreisverwaltung angegriffen. Ein Funktionär sei schwer verletzt worden. Von Toten und verletzten Tibetern war da nicht die Rede. Die „International Campaign for Tibet“ in London will dagegen sogar von 20 Toten erfahren haben.

          Bild: F.A.Z.

          Die Beziehungen zwischen den tibetischen Viehzüchtern auf der Hochebene von Sichuan und den chinesischen Herrschern haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, sagt der Mönch aus Kardze. Die Mönche und die einfachen Leute in den tibetischen Regionen von Sichuan warten darauf, dass der Dalai Lama zurückkommt. Und viele hatten Hoffnung geschöpft, als sich vor einigen Jahren herumsprach, dass Verhandlungen zwischen den Abgesandten des Dalai Lamas und der chinesischen Regierung aufgenommen wurden.

          Immer neue Regeln

          Doch in den vergangenen Jahren sei klargeworden, dass die chinesische Regierung überhaupt keine Zugeständnisse machen wollte. Die Tibeter haben gehört, dass der Dalai Lama im vorigen Jahr die chinesische Regierung gebeten hat, eine Pilgerreise zu einem Kloster im chinesischen Kernland machen zu dürfen. Doch die chinesische Regierung habe selbst das nicht gestattet. „Die einfachen Leute bei uns sind sehr enttäuscht und traurig.“

          Die Aktivitäten der Klöster und Mönche werden durch immer neue Regeln kontrolliert, sagt der Mönch aus Kardze. Traditionell sei es in der Region üblich gewesen, dass Jungen mit acht bis zehn Jahren in die Klöster gehen und dort unterrichtet werden. Im vergangenen Jahr hat die chinesische Regierung festgelegt, dass nur Personen, die älter als 18 Jahre sind, in die Klöster gehen dürfen. Das sei eine Maßnahme, um die Entwicklung der Klöster zu beschränken.

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