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Tibet-Krise : Gemäßigte finden in Peking kein Gehör mehr

  • -Aktualisiert am

Paramilitärische Polizeitruppen bereiten sich in der Provinz Yunnan auf ihren Einsatz vor Bild: AP

Die Ereignisse in Tibet und die ausländische Kritik an China fördern einen aggressiven Nationalismus im Land. Dort fällt die Propaganda der Regierung auf fruchtbaren Boden. Und die Rhetorik des Dalai Lamas kommt ganz anders an.

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          In ihrer Reaktion auf die Unruhen unter den Tibetern fällt die chinesische Führung ganz in altkommunistische Rhetorik zurück. Zuerst hieß es „Volkskrieg“, dann „Kampf auf Leben und Tod“ und „völlige Ausmerzung“. All das sind Vokabeln, derer sich Chinas Kommunisten in der Vergangenheit gern und häufig bedienten und die früher im Kampf gegen „Klassenfeinde“ verwendet wurden. Jetzt kommen sie noch im Zusammenhang mit „Separatisten“ gelegentlich vor. In China findet man die martialische Wortwahl nicht weiter auffällig.

          Im Ausland dagegen, wo man sich an das Bild des modernen China gewöhnt hat, ruft eine solch martialische Sprache Bestürzung hervor. Es ist vermutlich eine der großen Fehlleistungen der chinesischen Regierung in der jüngsten Tibet-Krise, dass sie die Außenwirkung ihrer Worte entweder gar nicht berücksichtigt oder völlig falsch einschätzt.

          „Tibet gehört von alters her zu China“

          Den Dalai Lama der Anzettelung und Organisation der Unruhen zu beschuldigen, empört die internationale Gemeinschaft, die eine hohe Meinung von dem tibetischen Führer hat. Zu behaupten, man habe Beweise für diese Behauptung und diese dann nicht vorzulegen, lässt nur noch mehr am Wahrheitsgehalt der Darstellung der chinesischen Regierung zweifeln. Zu behaupten, der Dalai Lama sei ein Separatist, stößt auf Unverständnis im Westen, wo man nur dessen Appelle für mehr Autonomie und Gewaltlosigkeit hört.

          Der Dalai Lama empört viele Chinesen
          Der Dalai Lama empört viele Chinesen : Bild: dpa

          Anders kommt die offizielle Rhetorik in China selbst an. Dort trifft sie nicht nur auf eine andere Darstellung der Ereignisse durch die Propaganda, sondern auch auf ein anderes Verständnis der Tibet-Frage. Die Mehrheit der Chinesen, selbst die, die sonst für ihre Regierung viel Kritik übrighaben, hat wenig Verständnis für Unabhängigkeitsbestrebungen in Tibet. Eine Gruppe von Bürgerrechtlern hat in einem mutigen Brief im Internet die einseitige chinesische Darstellung der Dinge kritisiert und gefordert, die chinesische Regierung solle ihre Nationalitäten-Politik ändern. Doch im Gegensatz zur Darstellung der Exil-Tibeter handelt es sich bei den Autoren nicht um „führende Intellektuelle“, sondern um Dissidenten, die nicht die vorherrschende Meinung der Intellektuellen Chinas widerspiegeln.

          „Tibet gehört von alters her zu China.“ Dieser Lehrsatz wird in Geschichtsbüchern und politischen Schulungen jedem in der Volksrepublik beigebracht. Auch die historischen Beweise der chinesischen Regierung sind fast jedem geläufig. Ältere Chinesen erinnern sich noch an die Begründung der „Befreiung“ Tibets. Damals verbreiteten die chinesischen Kommunisten im chinesischen Binnenland erfolgreich das Bild einer Befreiung der ausgebeuteten Tibeter von der Herrschaft der Sklavenhalter und Mönche. Man weiß zwar, dass in Tibet während der Kulturrevolution gegen die Religion gewütet wurde. Doch hat ganz China zu dieser Zeit gelitten, da sieht man Tibet nicht als Sonderfall.

          Gewalt gegen Tibeter kommt in Chinas Medien kaum vor

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