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Tibet : Exil-Regierungschef vereidigt

Segen: Lobsang Sangay begrüßt den Dalai Lama Bild: (c) AP

Lobsang Sangay ist als neuer Regierungschef der Exil-Tibeter vereidigt worden. Der Jurist will mit China sprechen, geißelt aber gleichzeitig mit Verve den „Kolonialismus“.

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          Die Tibeter im indischen Exil haben einen neuen Regierungschef. Der neue Ministerpräsident mit dem Namen Lobsang Sangay wurde am Montag im nordindischen Dharamsala vereidigt. Der 43 Jahre alte Tibeter hat in Harvard Jura studiert und bis nach seiner Wahl zum Chef der Exilregierung im März dort auch gelehrt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Lobsang Sangay wird eine größere Rolle in der Politik der Exil-Tibeter spielen als sein Vorgänger, da sich der Dalai Lama wie angekündigt aus dem politischen Tagesgeschäft zurückzieht. In seiner Rede zur Amtseinführung kündigte er an, sich für die Freiheit Tibets einsetzen zu wollen. „Ich verspreche Euch, meine tibetischen Mitbrüder, unsere Bewegung aufrechtzuerhalten und zu stärken, bis die Freiheit in Tibet wiederhergestellt ist und seine Heiligkeit der Dalai Lama in unser Heimatland zurückkehren kann“, sagte Lobsang Sangay.

          „Zu jeder Zeit, an jedem Ort“ zu Verhandlungen bereit

          Der Ministerpräsident teilte in seiner Rede mit, er wolle den sogenannten mittleren Weg des Dalai Lamas weiter verfolgen. Dieser sieht nicht mehr die Unabhängigkeit Tibets von China als Ziel vor, sondern nur eine „echte Autonomie“ unter chinesischer Souveränität. Der Ministerpräsident machte dazu ein deutliches Gesprächsangebot an die chinesische Führung, die einen direkten Austausch mit der Exilregierung allerdings bislang ablehnt.

          Seine Regierung sei zu Verhandlungen bereit, „zu jeder Zeit, an jedem Ort“, sagte Lobsang Sangay. Gleichzeitig gab er aber zu, dass der Freiheitskampf der Tibeter äußerst schwierig sei und eine Aufgabe „von dem Größenverhältnis des Himalajas“. Schließlich wird die tibetische Exilregierung von keinem Land offiziell anerkannt. Ihr Chef lobte aber die Schritte zur Demokratisierung ihrer Institutionen in Dharamsala, die der Dalai Lama, das 76 Jahre alte geistliche Oberhaupt der Tibeter, auf den Weg gebracht hat.

          Der neue Chef der Exil-Regierung zeichnete in seiner Rede ein düsteres Bild von der Lage in Tibet und bezeichnete die chinesische Vorherrschaft als „Kolonialismus“. Seit dem Einmarsch der „Volksbefreiungsarmee“ seien die Tibeter in ihrem Heimatland zu Bürgern zweiter Klasse geworden. Die politische Unterdrückung, kulturelle Assimilation, wirtschaftliche Marginalisierung und Umweltzerstörung im „besetzten“ Tibet seien „inakzeptabel“, sagte Sangay. Der Bau von Eisenbahnlinien bringe immer mehr Maschinen zur Ausbeutung der Rohstoffe nach Tibet und chinesische Migranten, die die Bevölkerung dominierten und die reiche Kultur und Identität der Tibeter verwässerten.

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