https://www.faz.net/-gpf-a6ok1

In Frankreich : Thalys-Attentäter zu lebenslanger Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Urteilsspruch in Frankreich: Der Thalys-Attentäter ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden Bild: EPA

Der vereitelte Anschlag auf einen Schnellzug von Amsterdam nach Paris sorgte 2015 nicht zuletzt wegen des beherzten Eingreifens dreier Amerikaner für Aufsehen. Nun ist das Urteil gegen den Thalys-Angreifer gesprochen worden.

          2 Min.

          Fünf Jahre nach dem Anschlag in einem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug ist der Täter Ayoub El Khazzani am Donnerstag von einem Pariser Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Anschlag des Marokkaners im August 2015 scheiterte, weil er von Passagieren überwältigt wurde. Drei Helfer von El Khazzani wurden zu Haftstrafen zwischen sieben und 27 Jahren verurteilt. Vor der Urteilsverkündung hatte sich der 31-Jährige am Donnerstag reumütig gezeigt. Seine Tat tue ihm „von ganzem Herzen Leid“, sagte El Khazzani in seinem Schlusswort vor Gericht. Der Marokkaner hatte in dem Prozess die Absicht zur Tötung von Passagieren gestanden.

          Er sagte aber aus, in letzter Sekunde Skrupel bekommen zu haben. Als Auftraggeber nannte er den Islamisten Abdelhamid Abaaoud von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), der unter anderem als Planer der Anschläge vom November 2015 in Paris mit 130 Toten gilt. Die Anklage ging davon aus, dass ein Blutbad nur deshalb verhindert wurde, weil Khazzanis Waffen mehrfach nicht auslösten und der unter anderem mit einer Kalaschnikow bewaffnete Täter von Passagieren überwältigt werden konnte. Bei dem Anschlagsversuch verletzte der Täter zwei Menschen mit einem Messer und einer Pistole.

          300 Schuss und ein Teppichmesser

          Kaum ein Fahrgast im Waggon 12 des Thalys-Schnellzuges hätte am 21. August 2015 sein oder ihr Ziel erreicht, wenn der Anschlag wie geplant abgelaufen wäre, erklärten Staatsanwälte, Verteidiger und einige Zeugen im monatelangen Prozess. Mit einem Sturmgewehr, fast 300 Schuss Munition, einer Pistole und einem Teppichmesser war der Hauptangeklagte bewaffnet, als er in Brüssel zustieg. Doch zwei junge amerikanische Soldaten und deren Freund gehörten zu Passagieren, die sich dem Angreifer entgegenstellten. Das Trio aus Kalifornien überwältigte den Schwerbewaffneten, würgte ihn und schlug ihn mit seinem eigenen Gewehr bewusstlos.

          Ihr beherztes Eingreifen wurde später sogar Stoff für einen Film von Hollywoodstar und Regisseur Clint Eastwood. Die Darstellung des Heldenmuts der drei Freunde aus den Vereinigten Staaten – Spencer Stone, Alek Skarlatos und Anthony Sadler – galt als Höhepunkt des Verfahrens. Doch kam die Staatsanwaltschaft im Prozessverlauf auch auf ein Terrorkomplott zu sprechen, das über die Thalys-Attacke hinausging.

          Der Tatort in einem Thalys-Zug am Bahnhof von Arras 2015 in Nordfrankreich
          Der Tatort in einem Thalys-Zug am Bahnhof von Arras 2015 in Nordfrankreich : Bild: AP

          Der vereitelte Anschlag mündete Monate später in einer Terrorserie in Paris, die den Konzertsaal Bataclan, Cafés und Restaurants sowie das Areal an der Sportarena Stade de France traf. 130 Menschen wurden getötet. Die Attacke auf den Thalys-Schnellzug soll von Abdelhamid Abaaoud eingefädelt worden sein, der auch als Drahtzieher der Terroranschläge vom 13. November 2015 galt.

          Der Schnellzugangreifer war mit Abaaoud in Syrien, gemeinsam reisten sie nach Brüssel zurück. Vor Gericht gab der Hauptbeschuldigte an, dass Abaaoud den Plan ausgeheckt und er diesen genau befolgt habe – bis er sich anders besonnen habe. Seine Aussagen wirkten oft wirr, doch gab er dem Vorsitzenden Richter an einer Stelle Recht, als er ihn als „eine Marionette“ von Abaaoud bezeichnete. „Ich glaubte ihm. Es ist dumm, aber ich glaubte ihm“, sagte der Hauptangeklagte im November. Abaaoud war kurz nach dem Massaker in Paris von französischen Spezialeinheiten getötet worden.

          Weitere Themen

          „Es gibt keine Fairness in unserem Land!“ Video-Seite öffnen

          Proteste in Thailand : „Es gibt keine Fairness in unserem Land!“

          In Thailands Hauptstadt Bangkok sind erneut tausende Menschen auf die Straße gegangen. Zuvor waren mehrere Menschen verhaftet worden. Sie hatten auch den Rücktritt des ehemaligen Heereschefs und Ministerpräsidenten Prayut Chan-o-cha gefordert.

          Schweizer stimmen über Verhüllungsverbot ab

          Knappes Ergebnis erwartet : Schweizer stimmen über Verhüllungsverbot ab

          Die Initiatoren der Volksabstimmung sehen „die Machtansprüche des politischen Islam in der Schweiz“. Die Regierung hingegen hält Burka- und Niqab-Trägerinnen für ein „Randphänomen“. Umfragen erwarten ein knappes Ergebnis.

          Topmeldungen

          Carrie Symonds mit Großbritanniens Premierminister Boris Johnson im vergangenen November

          Carrie Symonds : Die Strippenzieherin

          Carrie Symonds will mehr sein als die Frau von Boris Johnson. Ihr Einfluss auf den Premier fängt bei dessen Frisur an und mag bis zu seinem Beraterstab gehen. Das passt vielen nicht.
          Wer ist Freund, wer ist Feind? – Armin Laschet im Februar

          Führung der Union : Merzianer in der CDU für Armin Laschet

          In der CDU wächst die Zustimmung für den neuen Parteivorsitzenden im Osten, bei der Jungen Union und beim Wirtschaftsflügel, auch wenn die Partei in der Wählergunst leicht verliert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.