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Vereiteltes Thalys-Attentat : Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord und Terrorismus vor

Überwacht: Polizisten am Bahnsteig in Brüssel Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft in Paris hat ein Verfahren gegen den Angreifer aus dem Thalys-Zug eingeleitet. Den Ermittlern zufolge schaute der Marokkaner vor der Tat auf seinem Mobiltelefon ein Video mit dschihadistischen Gesängen.

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          Die Pariser Staatsanwaltschaft hat gegen den Angreifer aus dem Thalys-Zug ein Verfahren wegen versuchten mehrfachen Mordes in Verbindung mit Terrorismus eröffnet. Staatsanwalt François Molins begründete dies am Dienstag unter anderem mit der schweren Bewaffnung des 25 Jahre alten Marokkaners und der Tatsache, dass dieser in den Zugtoiletten ein islamistisches Video aufgerufen hatte, in dem zu Gewalttaten aufgerufen werde. Der Mann hatte am Freitagabend in dem Zug auf der Fahrt von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und war von mehreren Fahrgästen niedergerungen worden. Zwei Menschen wurden schwer verletzt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Dienstagnachmittag wurde der Mann im Justizpalast in Paris einem Strafrichter vorgeführt. Zuvor war er verhört worden. Die Auswertung seines Mobiltelefons hat den Ermittlern zufolge ergeben, dass der Mann vor dem Einstieg in den Thalys-Zug eine islamistische Internetseite aufgerufen hatte. Seine Fahrkarte kaufte er über das Mobiltelefon, das er erst am Tag des versuchten Anschlags aktiviert hatte. Die Ermittler fanden heraus, dass der Marokkaner andere Fahrkartenvorschläge abgelehnt und gezielt nach einer Fahrkarte für die Thalys-Verbindung am frühen Abend gesucht hatte. Ermittler fanden außerdem heraus, dass die Facebook-Seite des Mannes nach dem vereitelten Anschlag abgeschaltet wurde.

          Polizisten fahnden nun nach möglichen Komplizen oder Auftraggebern. Im Auftrag der französischen Ermittler durchsuchten belgische Polizisten am Montagabend zwei Wohnungen in Brüssel. Dabei soll es sich um die Wohnung der Schwester des mutmaßlichen Terroristen sowie um die eines Freundes handeln. Es gab keine Festnahmen.

          In Polizeigewahrsam täuschte der Marokkaner vor, kein Französisch zu sprechen. Ein Amtsarzt in Paris stellte hingegen fest, dass der junge Mann über passable Sprachkenntnisse der französischen Sprache verfügt. Khazzani soll sich zu Jahresbeginn zwei Monate im Pariser Vorstadtbezirk Seine Saint-Denis aufgehalten und für eine Billigtelefongesellschaft „Lyca“ gearbeitet haben. Ein Verantwortlicher der Telefongesellschaft in Paris bestätigte das Beschäftigungsverhältnis. Es sei im April beendet worden, da Khazzani nicht über eine Arbeitserlaubnis verfügte.

          Khazzani bestreitet weiterhin, dass er am Freitagabend einen Terroranschlag verüben wollte. Er habe lediglich die Passagiere bedrohen und berauben wollen, „um zu überleben“, teilte seine Pflichtverteidigerin mit. Das Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow habe er „zufällig“ in einem Park in der Nähe des Brüsseler Bahnhofes gefunden, behauptete er. Die Waffe habe zusammen mit einer Luger-Pistole in einem Koffer dort gelegen. Er habe häufiger in Bahnhofsnähe übernachtet, da er keinen festen Wohnsitz habe, sagte der 25 Jahre alte Mann. Über die Herkunft der Munition - Präsident Hollande sprach von mehr als 300 Schuss Munition - machte El Khazzani keine Angaben. Die französischen Ermittler prüfen, ob es Verbindungen zum Terroristen Amedy Coulibaly gab, der im Januar den Terrorangriff auf den jüdischen Supermarkt in Paris verübte. Coulibaly hatte sich seine Waffen nach Erkenntnissen der Ermittler in Brüssel besorgt.

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