https://www.faz.net/-gpf-8l5

Thailand vor der Wahl : Glücksgriff Yingluck

Bild: afp

Der Wahlkampf in Thailand wird aus Dubai ferngesteuert. Der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra meldet sich dauernd zu Wort. Seine Schwester führt derweil seinen Wahlkampf.

          3 Min.

          Sechs Flugstunden trennen Thailand von den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber Dubai gleicht gerade einem Vorort Bangkoks. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Thaksin Shinawatra aus seinem Exil den Wahlkampf in seiner Heimat befeuert; ein neuer Zungenschlag genügt, und Thailands Presse steht Kopf. „Es gibt niemanden, der die politische Landschaft hier so im Griff hat wie Thaksin Shinawatra“, sagt Thitinan Pongsudhirak, Politikprofessor an der Bangkoker Chulalongkorn-Universität.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Am Sonntag wird gewählt, aber der Name des Mannes, über den in Wahrheit abgestimmt wird, findet sich nicht auf den Wahlzetteln. Nachdem Thaksin 2006 aus dem Amt des Premierministers geputscht worden war, hatten die Richter ein Berufsverbot ausgesprochen, seine Partei aufgelöst und ihn zu zwei Jahren Haft verurteilt. Schließlich entzogen sie ihm noch den Pass und stellten einen Haftbefehl aus. Es half nichts. Thaksin wurde zwar aus dem Land vertrieben, aber nicht aus den Köpfen der Wähler.

          Yingluck als Überraschungskandidatin

          Seine politische Bewegung - juristisch drangsaliert und im Frühjahr 2010 von der Armee in Bangkok niedergeschlagen - ist für die Wähler trotz erzwungener Namensänderungen erkennbar geblieben. Sie heißt jetzt „Pheu Thai“ (Für Thais) und tritt wegen der Politikverbote mit einer „drittklassigen Garnitur“ an, wie Thitinan bemerkt. Doch die personelle Not spülte eine Überraschungskandidatin an die Spitze, die sich als Glücksgriff erweisen sollte: Yingluck Shinawatra, Thaksins jüngere Schwester. Die 44 Jahre alte Unternehmerin wirkt unverbraucht und lässt den nur zwei Jahre älteren Amtsinhaber - Abhisit Vejjajiva - als blassen, durchtriebenen Apparatschik erscheinen.

          Dass die Pheu-Thai-Partei in allen Umfragen klar vorn liegt, ist nicht nur Frau Yinglucks Verdienst. Geholfen haben auch eine professionelle Kampagne, die ihre Unerfahrenheit verbarg, und ein bisschen Glück. Noch im Frühjahr hatte es so ausgesehen, als würde das Konzept des Premierministers aufgehen. Abhisits Mischung aus Repression und Nachahmung - begleitet von einem Wirtschaftsboom - schien das „rote Lager“ zum ersten Mal in die Defensive getrieben zu haben. Nur deshalb, heißt es, habe Abhisit überhaupt Wahlen angesetzt. Doch mit der Auflösung des Parlaments im Mai begann die Wirtschaft zu schwächeln; zum größten Ärgernis sind die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel geworden.

          Lupenreine Demokraten treten nicht gegeneinander an

          Während sich Frau Yingluck und ihr Bruder als Kraft der Zukunft darstellen, die Bildung für alle über Rache an wenigen stellt, werden sie von Regierung und Militär als Bedrohung des Staates hingestellt. Unlängst rief Armeechef Prayuth dazu auf, bei den Wahlen die Monarchie zu retten, und unterstellte der Opposition antiroyalistische Motive. Eine Wahl zwischen Gut und Böse wird ernsthaft nur von Generälen und Wahlkämpfern der Regierungspartei gepredigt. Lupenreine Demokraten treten nicht gegeneinander an. Weder die Regierung Abhisit noch die ehemaligen Regierungen Thaksins haben es mit demokratischen Standards genau genommen. Thaksin allerdings muss gutgeschrieben werden, dass er mit seiner Politik große Mehrheiten hinter sich versammelte und nicht das Militär zum Machterhalt brauchte.

          Weitere Themen

          SPD will Hartz IV hinter sich lassen Video-Seite öffnen

          Dreyer auf Bundesparteitag : SPD will Hartz IV hinter sich lassen

          Die SPD will mit ihrem Sozialstaatskonzept den innerparteilichen Dauerstreit über die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 beenden. Das verkündete Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei ihrer Rede auf dem Bundesparteitag.

          Topmeldungen

          In eine neue Zukunft? Das neue SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Neue SPD-Spitze : Zwei Neulinge, viele Helfer

          Die SPD hat eine koalitionskritische Hinterbänklerin und einen Polit-Pensionär an die Spitze gewählt. Aber der Rest der Führung besteht aus Parteiprofis, die überwiegend regieren wollen. Wer sind sie? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.