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Tet-Offensive in Vietnam : Angriff vor dem Morgengrauen

Ein Foto, das unser Bild des Krieges bis heute prägt: Eddie Adams Schwarzweißaufnahme zeigt, wie der südvietnamesische Chef der Polizei, Nguyen Ngoc Loan, auf offener Straße einem Vietcong in den Kopf schießt. Bild: dpa

Vor 50 Jahren begann die Tet-Offensive in Vietnam. Sie veränderte die Art und Weise, wie die Leute den Krieg sahen – und damit auch den Krieg selbst.

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          Viele Soldaten waren gerade auf Heimaturlaub, als die Untergrundkämpfer des Nordens ihren großen Militärschlag unternahmen. Zum Neujahrsfest besuchen die Vietnamesen ihre Familien und die Gräber ihrer Ahnen. Das über drei Tage gehende Tet-Fest, das nach dem Mondkalender meist zwischen Ende Januar und Mitte Februar stattfindet, ist der wichtigste Feiertag des Landes. Aus Rücksicht auf die Tradition schwiegen zu dieser Zeit deshalb auch während des Vietnamkriegs jedes Jahr für ein paar Tage die Waffen. Ein Umstand, den sich die von Nordvietnam unterstützten Aufständischen zunutze machten, um „maximale Überraschung zu schaffen“, wie es damals ein amerikanischer Militär formulierte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Als sogenannte Tet-Offensive ging dieser Angriff in die Geschichte ein. So etwas hatte es in dem seit knapp vier Jahren tobenden Konflikt noch nicht gegeben. Nicht nur die südvietnamesische Hauptstadt, das damalige Saigon, wurde zum Ziel der Attacke von rund 80.000 Kämpfern. Dazu kamen 36 der insgesamt 44 Provinzhauptstädte sowie 64 Sitze lokaler Verwaltungen. Manche Angriffe konnten schnell zurückgeschlagen werden. Andere, wie die Besetzung der alten Königsstadt Hue, dauerten fast vier Wochen. Dort setzten die Vietcong einen blutigen Plan um, die politische und intellektuelle Elite der Stadt zu ermorden. Fast 6000 Menschen wurden umgebracht.

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