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Terrorprozess in Madrid : Bewährungsprobe für Spaniens Justiz

  • -Aktualisiert am

Bei den Anschlägen werden 192 Menschen getötet Bild: AP

Drei Jahre nach den Anschlägen auf Spaniens Hauptstadt hat an diesem Donnerstag der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen begonnen. Das Verfahren droht auch die Regierung zu belasten. Leo Wieland berichtet aus Madrid.

          Drei Jahre nach dem verheerendsten Terroranschlag in der spanischen und europäischen Geschichte hat an diesem Donnerstag in Madrid der Prozess gegen die überlebenden mutmaßlichen Täter und ihre Komplizen begonnen. Das Attentat radikaler Islamisten vom 11. März 2004 auf mehrere Vorortzüge der Hauptstadt hat nicht nur 192 Menschen das Leben gekostet und 1842 zum Teil schwer verletzt. Es veränderte auch drei Tage vor den Wahlen abrupt die politische Landschaft in Spanien und brachte eine konservative Regierung zu Fall, die bis zu dem Massaker ihres Sieges sicher sein konnte.

          Es waren vor allem zwei Faktoren, die verhinderten, dass der designierte Nachfolgekandidat für den freiwillig ausscheidenden Ministerpräsidenten Jose María Aznar, Mariano Rajoy, nach acht Jahren in die Fußstapfen seines Mentors treten konnte: die ungeschickte und schließlich irreführende Informationspolitik der Regierung, die noch auf einer Urheberschaft der baskischen Terrororganisation Eta beharrte, als die Spuren schon klar in eine andere Richtung wiesen; die politische Reaktion einer aufgeschreckten Wählerschaft, der Aznars Unterstützung für den amerikanischen Präsidenten Bush im Irak schon missfallen hatte, und die nun in dem Verbrechen eine „Quittung“ von Al Qaida sah.

          Selbstmord in Leganes

          Das Verfahren wird unter umfassenden Sicherheitsvorkehrungen am gleichen Ort in Madrid abgewickelt, an dem der Nationale Gerichtshof zuvor schon schwierige Prozesse gegen Eta-Terroristen und den ersten gegen die islamistische „Gründerzelle“ von Al Qaida in Spanien geführt hat. Angeklagt sind insgesamt 29 Personen, überwiegend Nordafrikaner, aber auch ein Spanier, der den Sprengstoff geliefert haben soll.

          Mehr als 1800 Menschen werden verletzt

          Achtzehn der Hauptverdächtigen sitzen mit Ausnahme von ein paar noch flüchtigen Maghrebinern in Haft. Sieben der sowohl als die eigentlichen „Gehirne“ als auch Exekutoren des Massenmords geltenden Männer aus Marokko und Tunesien sind jedoch tot. Sie sprengten sich im Madrider Stadtteil Leganes in die Luft, als die Polizei sie dort wenige Tage nach dem Attentat in einer konspirativen Wohnung entdeckte. Dabei verlor auch ein Beamter einer Spezialeinheit für Terrorismusbekämpfung sein Leben. Er war das 192. Opfer.

          Ende des „permanenten Waffenstillstands“

          Der Prozess, der das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen dem seit 2004 regierenden sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodríguez Zapatero und der oppositionellen Volkspartei unter Rajoy weiter belasten könnte, fällt nun abermals in eine Vorwahlzeit. Am 27. Mai sind in Spanien Kommunal- und einige Regionalwahlen.

          Sie werden schon jetzt von dem jüngsten Attentat vom 30. Dezember 2006 überschattet, das diesmal von Eta verübt wurde. Der Anschlag auf den Madrider Flughafen, bei dem zwei Ecuadorianer getötet wurden, markierte das brutale Ende des von den baskischen Terroristen zuvor erklärten „permanenten Waffenstillstands“ und zerstörte den von Zapatero eingeleiteten „Dialog“ mit Eta im Zeichen eines neuen baskischen „Friedensprozesses“.

          Eta-Mitglieder als Zeugen

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