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Anschläge in Spanien : Polizei sucht vier junge Tatverdächtige

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Dringend tatverdächtig: Die Polizei in Spanien sucht nach vier jungen Marokkanern Bild: HO HANDOUT/EP/REX/Shutterstock

Die katalanischen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Terroristen in Barcelona überstürzt losgeschlagen haben. Sonst wären wohl noch mehr Opfer zu beklagen. Vier Männer sind in Haft, nach vier weiteren wird gefahndet.

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          Die katalanische Polizei hat Fahndungsfotos von vier jungen Marokkanern zwischen 17 und 24 Jahren veröffentlicht, die im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Barcelona gesucht werden. Die Ermittler halten derzeit den 17 Jahre alten Moussa Oubakir für den Fahrer des Wagens, der am Donnerstag 13 Menschen in der katalanischen Hauptstadt überfahren hat. Noch ist unklar, ob er möglicherweise einer der in Cambrils getöteten Attentäter ist. Die Polizei hofft noch am Abend die Identität der erschossenen Terroristen klären zu können.

          Nach derzeitigem Ermittlungsstand geht die katalanische Polizei davon aus, dass eine mindestens 12-köpfige Terrorzelle weitere Anschläge als nur in Barcelona und Cambrils geplant hatte. Auf einer Pressekonferenz teilte der Polizeichef von Katalonien, Josep Lluis Trapero mit, dass die unbeabsichtigte Explosion in ihrem Hauptquartier die Terroristen offenbar zu überstürztem Handeln getrieben hätte.

          Bei Terroranschlägen sind am Donnerstag in Barcelona 13 und in Cambrils 1 Person getötet worden, mehr als hundert Menschen wurden verletzt. Der Attentäter von Barcelona ist noch auf der Flucht, in Cambrils stellte die Polizei jedoch die mutmaßlichen Attentäter und erschoss vier Männer. Bis jetzt wurden außerdem vier Verdächtige festgenommen, darunter drei Marokkaner und ein Spanier. Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Anschläge für sich.

          Hauptquartier in Alcanar

          Der Anschlag in Barcelona und mutmaßlich weitere Attentate sind in einer Wohnung in Alcanar, in der Provinz Tarragona etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona, vorbereitet worden. Dort, in einer mutmaßlichen Bombenwerkstatt,  hatte eine Gasexplosion einen Menschen getötet und sieben verletzt. Dadurch wurde die Polizei auf die Adresse und ihre Bewohner aufmerksam. Die Täter hätten daraufhin überstürzt ihre Pläne umgesetzt.

          Nur wenige Stunden nach dem Attentat von Barcelona hatten Polizisten in der Nacht auf Freitag in Cambrils einen Audi A3 mit fünf Männern gestoppt. Daran schloss sich offenbar eine Verfolgungsjagd an, in deren Verlauf mehrere Menschen angefahren wurden, bevor der Wagen sich überschlug und auf dem Dach landete. Die Insassen, die Attrappen von Sprengstoffwesten am Körper trugen,  wurden noch am Tatort von der Polizei erschossen. In dem Fahrzeug wurde später eine Axt und mehrere Messer gefunden, teilte der katalanische Polizeichef mit.

          Deutsche unter den Opfern

          Bei dem Anschlag in Barcelona am Donnerstagnachmittag wurden nach Angaben des deutschen Außenministeriums auch 13 Deutsche verletzt. Einige von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, teilte das Auswärtige Amt am Freitag in Berlin mit. Ob es auch Tote unter den deutschen Opfern gegeben habe, sei derzeit nicht klar, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Das ZDF hatte zuvor unter Verweis auf Sicherheitskreise berichtet, unter den Todesopfern seien drei Deutsche.

          „Wir haben keine Angst“

          In Barcelona wurde am Freitagmittag aller Opfern des Anschlags mit einer Schweigeminute gedacht. Auf der berühmten Plaça de Catalunya versammelten sich um 12 Uhr auch König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy sowie zahlreiche weitere Politiker und Behördenvertreter. Auch Tausende Bürger nahmen an der Schweigeminute teil. Die Polizei hatte die Teilnehmer zuvor aufgefordert, zu Fuß zu dem Platz zu kommen und keinesfalls Rucksäcke oder große Taschen bei sich zu führen. Zudem gab es strenge Sicherheitskontrollen rund um den Platz. Nach der Minute der Stille applaudierten die Menschen im Gedenken an die Opfer minutenlang. Viele riefen dabei immer wieder: „Wir haben keine Angst!“

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