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Terrorismusforscher im Interview : „Es gibt einen europäischen Dschihadismus“

Bei islamistisch motivierten Anschlägen vor fünf Jahren in Paris wurden 130 Menschen getötet. Bild: AFP

Der Politologe Hugo Micheron warnt vor einer gefährlichen Situation. Hunderte Islamisten werden bald aus der Haft entlassen. Sie könnten dann ihren Krieg fortsetzen.

          8 Min.

          Herr Micheron, erlebt Europa fünf Jahre nach den Pariser Anschlägen eine neue Form des Lumpenterrorismus mit Einzeltätern, die mit Schlachtermessern auf ihre Opfer wie in Dresden, Nizza oder Conflans losgehen?

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) ist in Syrien und im Irak militärisch besiegt worden. Aber der ideologische Boden, auf dem der IS prosperierte, ist in Europa nicht zurückerobert worden. Die Täter, die die jüngsten Anschläge verübten, kommen nicht aus dem Zentrum der Terrororganisation, sondern agieren am Rand. Das ist besonders beunruhigend, denn trotz militärischer Niederlagen ist die Sogkraft der Ideologie ungebrochen stark. Es handelt sich nicht um eine neue Form des Terrorismus, sondern um eine Übergangsphase des Dschihadismus, die wir gerade erleben. Ich würde sie mit dem Umbruch vergleichen, als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 neben Al Qaida die neuen Terrorstrukturen des IS entstanden.

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