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Terrorismus : Viele Tote und Verletzte bei Anschlag in Tadschikistan

  • -Aktualisiert am

In der Nähe des Anschlagsortes in Chodschand, etwa 350 Kilometer nördlich der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe Bild: REUTERS

Mindestens 25 Menschen, darunter ein Dutzend Angehörige der Sicherheitskräfte, sind am Freitag bei einem Selbstmordanschlag im zentralasiatischen Tadschikistan zum Teil schwer verletzt worden. Nach unbestätigten Berichten in tadschikischen Medien sollen bis zu 12 Menschen getötet worden sein.

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          Mindestens 25 Menschen, darunter ein Dutzend Angehörige der Sicherheitskräfte, sind am Freitag bei einem Selbstmordanschlag in der Stadt Chodschand im zentralasiatischen Tadschikistan zum Teil schwer verletzt worden. Nach unbestätigten Berichten in tadschikischen Medien sollen bis zu 12 Menschen bei dem Anschlag in der zweitgrößten Stadt Tadschikistans, die etwa 350 Kilometer nördlich der Hauptstadt Duschanbe im tadschikischen Teil des Ferganatals liegt, getötet worden sein.

          Der Selbstmordattentäter sei mit seinem Auto einem Wagen mit Milizionären auf das Gelände der lokalen Behörde zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität gefolgt und habe dort eine Sprengstoffladung gezündet. Die tadschikischen Behörden vermuten, dass die Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) den Anschlag verübt habe. Erst am Donnerstag hatte eine Gruppe Bewaffneter mehrere Milizposten östlich von Duschanbe überfallen. Vergangene Woche waren 25 Gefangene aus einem Gefängnis in der Hauptstadt ausgebrochen. Nach Berichten aus Tadschikistan waren unter den Ausbrechern vier Afghanen, zwei Usbeken und vier Dagestaner aus dem russischen Nordkaukasus, die allesamt Mitglieder der IBU seien. Tadschikistans Präsident Rachmon wechselte wegen des Ausbruchs die Führung des Staatssicherdienstes aus.

          Das zwischen Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan aufgeteilte Ferganatal ist das am dichtesten besiedelte Gebiet Zentralasiens. Anfang der neunziger Jahre zogen vermehrt arabische Prediger ins Ferganatal. In Usbekistan führte dies dazu dass Präsident Islam Karimow, der seine Macht durch die neuen islamischen Bewegungen und die Ansprüche der Klans im Ferganatal gefährdet sah, die Geheimpolizei gegen diese Entwicklung einsetzte. Seitdem sind Tausende junger Männer in den Gefängnissen besagter Geheimpolizei verschwunden. Die Folge war ein Exodus usbekischer Familien nach Tadschikistan. Unter den damaligen Emigranten war auch der spätere militärische Anführer der IBU, Dschumboj Namangani.

          In Tadschikistan schlossen sich islamistische Usbeken der islamischen Bewegung Tadschikistans an, mussten aber bald nach Afghanistan ausweichen. Namangani arbeitete dort mit der „Vereinigten tadschikischen Opposition“ zusammen und gründete die usbekische Legion, aus der später die IBU hervorging. Nach der Militärintervention der Amerikaner in Afghanistan von 2001, bei der die gesamte militärische Infrastruktur der Usbeken vernichtet wurde, sollen auch Namangani sowie die Mehrheit der IBU-Kämpfer getötet worden sein. Zuvor hatten Gruppen der IBU jedoch 1999 Gebiete in Südkirgistan und 2000 abermals im Süden Kirgistans und in Usbekistan überfallen. Beinahe wäre es ihnen damals gelungen, Karimow zu töten. In den vergangenen Jahren scheint sich die Organisation aber regeneriert zu haben, jedenfalls werden ihr immer wieder Anschläge, wie jetzt in Chodschand, zugeschrieben.

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