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Terrorismus : Mögliche Kontakte Bin Ladins zu pakistanischem Geheimdienst

  • Aktualisiert am

Auch in Pakistan vermuten viele, dass Bin Ladin von staatlichen Kreisen geschützt wurde. Sein Versteck in Abbottabad Bild: AFP

Usama Bin Ladin soll Telefonkontakte zu Kampfgefährten gehabt haben, die dem pakistanischen Geheimdienst nahe stehen. Dies berichtet die „New York Times“. Washington stellt derweil die milliardenschwere Militärhilfe an Pakistan in Frage.

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          Al-Qaida-Chef Usama Bin Ladin hatte einem Zeitungsbericht zufolge vor seinem Tod möglicherweise Kontakte zu Aktivisten, die dem pakistanischen Geheimdienst nahestehen. Auf einem im Haus Bin Ladens gefundenen Handy seien Anrufe zur Organisation Harakat ul Mudschahidin (HuM) entdeckt worden, berichtete die „New York Times“ am Donnerstag unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter. Die Gruppe wird von den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft.

          Die Gruppe soll demnach seit Jahren geheime Kontakte zum einflussreichen pakistanischen Geheimdienst ISI unterhalten. Das Handy war während der amerikanischen Kommandoaktion auf Bin Ladins Anwesen in Pakistan beschlagnahmt worden und wurde offenbar von einem Boten des Al-Qaida-Führers verwendet. „Es ist ein ernsthafter Anhaltspunkt“, sagte ein amerikanischer Beamter der „New York Times“. Ein weiterer Vertreter sagte der Zeitung jedoch, es handle sich nicht um einen schlagenden Beweis für Verbindungen Bin Ladens zum ISI, da unklar sei, ob die Anrufe dem Terrorchef zuzuordnen seien.

          Die HuM wurde in den achtziger Jahren mit Hilfe des ISI gegründet, um gegen die Sowjetarmee in Afghanistan zu kämpfen. Seit Anfang der neunziger Jahre ist sie vor allem im indischen Teil Kaschmirs aktiv, wo sie für den Anschluss der Region an Pakistan kämpft. Indien wirft dem ISI vor, die Gruppe finanziell und logistisch zu unterstützen.

          Washington stellt Militärhilfe für Pakistan infrage

          Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton stellte unterdessen die Milliarden-Dollar-Militärhilfen der Vereinigten Staaten an Pakistan infrage. „Wir sind nicht bereit, sie weiterhin in der bisherigen Höhe zu leisten, ohne dass wir Fortschritte sehen“, sagte sie am Donnerstag bei einer Kongressanhörung in Washington. Amerika hätte „klare Erwartungen“ an Pakistan. „Wir werden mehr von ihnen verlangen“, sagte sie, allerdings ohne konkrete Schritte zu benennen. Die Vereinigten Staaten geben nach offiziellen Angaben rund 2,8 Milliarden Dollar (1,98 Milliarden Euro) pro Jahr für Pakistan aus.

          In den vergangenen zehn Jahren belief sich die Unterstützung der südasiatischen Atommacht auf schätzungsweise 15 bis 17 Milliarden Dollar. Ein Großteil des Geldes, auf das Islamabad nach Ansicht von Experten dringend angewiesen ist, fließt an das Militär. Nach der amerikanischen Kommandoaktion zur Tötung Bin Ladins in Pakistan ist das Verhältnis der beiden Staaten deutlich abgekühlt. Clinton bezeichnete die Zusammenarbeit mit den Pakistanern als „frustrierend“. Manchmal seien sie sogar „eine sehr empörende Erfahrung.“ Dennoch könnten die Beziehungen wegen der Sicherheitsbedürfnisse der Vereinigten Staaten nicht einfach aufgegeben werden. Pakistan gilt als Rückzugsort für das Terrornetz Al Qaida.

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