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Terrorismus : Keine typischen Ziele von Al Qaida

Die Bekenner-Mail Bild: AP

War der Anschlag von Madrid die erste große Bluttat Al Qaidas in Europa? Auch am Tag nach den Anschlägen herrschte in Spanien Unklarheit über die Drahtzieher.

          4 Min.

          War der Anschlag von Madrid die erste große Bluttat Al Qaidas in Europa? Immerhin hatte Usama Bin Ladin schon vor einiger Zeit eine Warnung an mehrere westliche Länder ausgesprochen, darunter auch Spanien. Es handelte sich um Staaten, die den amerikanischen Krieg im Irak unterstützt und dort auch mit eigenen Truppen vertreten waren.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Spanien stellt, gemeinsam mit einigen lateinamerikanischen Ländern, das Kernelement einer multinationalen Division, die im Süden Bagdads liegt. Ihr gehören etwa 2500 Mann an. Sollte das der Hintergrund für das jüngste Attentat sein, dann hätte es Al Qaida erstmals geschafft, ein europäisches Kernland zu treffen. Nur in der Türkei war es bisher zu größeren Anschlägen gekommen. Ansonsten war es den Sicherheitsbehörden in der EU und anderen europäischen Staaten immer wieder gelungen, Attentatsversuche zu unterbinden. Der hohe Fahndungsdruck galt als ein möglicher Grund dafür, warum Anschläge, die Al Qaida zugeschrieben wurden, in jüngster Zeit vor allem in islamischen Ländern stattfanden.

          „Das Herz des Kreuzfahrer-Europas“

          Noch prüfen Fachleute allerdings das Schreiben, in dem die Brigade Abu Hafs Al Masri sich der Anschläge in Madrid bezichtigt. Die Botschaft war am späten Donnerstag abend bei der Londoner arabischen Zeitung "Al Quds al Arabi" eingegangen war. Als Absender der E-Mail fungierte die Brigade Abu Hafs al Masri. Der Empfänger, der Herausgeber und Chefredakteur Abdel Bari Atwan, ist sicher, daß die E-Mail zumindest authentisch ist. Im Fernsehen sagte er, der Text stimme überein mit anderen, die er früher erhalten habe. Nach dem Beginn des irakischen Feldzugs hatte auch Saddam Hussein mindestens dreimal Aufrufe zur Veröffentlichung geschickt, das letzte Mal am 27. Mai 2003. Am Freitag veröffentlichte die Zeitung den gesamten Wortlaut des fünf Seiten umfassenden Briefs. "Wir haben erfolgreich das Herz des Kreuzfahrer-Europas infiltriert und einen der Stützpunkte der Kreuzfahrerallianz getroffen", steht in dem Brief. Zugleich wird als "frohe Botschaft für die Muslime auf der Welt" ein großer Anschlag auf die Vereinigten Staaten angekündigt, der schon zu "90 Prozent" vorbereitet sei. Mit den Attentaten würden "alte Rechnungen mit Spanien beglichen", das der Bündnispartner Amerikas bei dessen "Krieg gegen den Islam" sei.

          Das Schreiben vom Donnerstag erwähnt auch eine frühere Botschaft. So soll die amerikanische Armee in Bagdad in der vergangenen Woche ein angebliches Schreiben der gleichen Gruppe erhalten haben, das aber nicht ernstgenommen wurde. Darin hatten die Brigade Abu Hafs al Masri bestritten, daß Al Qaida die Anschläge während des schiitischen Aschura-Festes in Kerbela und Bagdad verübt habe. Zuvor hatten die Gruppe schon die Verantwortung für andere Terroranschläge übernommen. Dazu gehörten das Attentat auf zwei Synagogen in Istanbul im November 2003 sowie der Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August davor. Dieser Terrorakte hatten sich jedoch zugleich auch andere Gruppen bezichtigt. Nach den Anschlägen in Istanbul war in Washington bezweifelt worden, ob die Brigade Abu Hafs al Masri überhaupt existierte und ob sie Verbindungen zu Al Qaida unterhalte.

          Bezug zu Istanbul

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