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Terrorismus im Baskenland : Mutmaßlicher oberster Eta-Anführer gefasst

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Erst am Montag hatte Eta einen Bombenanschlag auf einen Jachtclub im Baskenland verübt Bild: dpa

Der Polizei ist einer der schwersten Schläge gegen Eta seit Jahren gelungen: Sie hat den mutmaßlichen obersten Anführer der baskischen Untergrundorganisation festgenommen. „Thierry“ soll verantwortlich für das Scheitern von Friedensgesprächen gewesen sein und die Rückkehr zum Terror angeordnet haben.

          Die französische Polizei hat in Bordeaux die mutmaßliche Nummer eins der baskischen Untergrundorganisation Eta festgenommen: In Bordeaux im Südwesten Frankreichs wurde deren mutmaßlicher oberste Anführer gefasst. Francisco Javier López Peña alias „Thierry“ sei mit drei weiteren mutmaßlichen Eta-Terroristen in einer Wohnung nahe dem Hauptbahnhof festgenommen worden, teilte die spanische Polizei in der Nacht zum Mittwoch mit. Das spanische Innenministerium hält „Thierry“ für einen der Verantwortlichen für den Anschlag am Madrider Flughafen mit zwei Toten Ende Dezember 2006.

          Die vier mutmaßlichen Terroristen seien bei der Verhaftung bewaffnet gewesen, hätten aber keinen Widerstand geleistet. Mit der gemeinsamen französisch-spanischen Polizeiaktion sei möglicherweise die gesamte militärische und politische Führungsspitze der Eta zerschlagen worden, hieß es.

          Auch Sprengstoff wurde gefunden

          Zusammen mit López Peña seien am späten Dienstagabend zwei Männer und eine Frau gestellt worden. Dabei handele es sich um Igor Suberbiola, Jon Salaberría und Ainhoa Zaeta Mendiondo. Letztere hatte im Jahr 2006 die Waffenstillstands-Erklärung Etas verlesen. Bei dem Einsatz seien ein Computer, mehrere Handfeuerwaffen und Sprengstoff gefunden worden, meldete der Rundfunk. Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba brach angesichts der Festnahmen eine Afrika-Reise ab.

          Der 49 Jahre alte López Peña gehört Eta seit fast 30 Jahren an. 1983 war er untergetaucht und soll zeitweise in Kuba Zuflucht gefunden haben. „Thierry“ war an den Gesprächen mit der spanischen Regierung während des jüngsten Friedensprozesses beteiligt gewesen. Mit einem Anschlag auf den Madrider Flughafen, bei dem zwei Menschen getötet wurden, waren die Verhandlungen im Dezember 2006 letztlich gescheitert. López Peña soll daraufhin im Juni 2007 das Ende der 14 Monate langen „Waffenruhe“ Etas und die Rückkehr zur Strategie des Terrors angeordnet haben. Außerdem wird er für zahlreiche weitere Anschläge sowie für die Ausbildung von Terroristen verantwortlich gemacht. Seit etwa zwei Jahren soll er an der Spitze des politischen und militärischen Apparats der Organisation gestanden haben.

          20 Anschläge seit Dezember 2006

          Erst am Montag hatte Eta bei einem Bombenanschlag auf einen Jachtclub im Baskenland schweren Sachschaden angerichtet. In der vorigen Woche waren bei einem Attentat auf eine Polizeikaserne nahe der baskischen Hauptstadt Vitoria ein Beamter getötet und vier verletzt worden. Insgesamt verübte Eta 20 Anschläge seit Dezember 2006.

          Insgesamt hat die Organisation während ihres schon vier Jahrzehnte dauernden Kampfes für die Unabhängigkeit des Baskenlandes mehr als 800 Menschen getötet. Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als 750 mutmaßliche Eta-Mitglieder festgenommen. Von Spanien, der EU und den Vereinigten Staaten wird Eta als Terrororganisation eingestuft.

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