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Terrorismus : Al Qaida marschiert in Afrika auf

  • -Aktualisiert am

Milizionär in Mogadischu Bild:

Häuserkämpfe und Selbstmordattentate in Mogadischu: Militante Islamisten nutzen Somalia als Transitland und rufen zum „Heiligen Krieg“ gegen die vermeintlich christlichen „Besatzer“ auf.

          5 Min.

          Selbstmordattentate, Autobomben, lichtschrankengezündete Sprengsätze, wärmegelenkte Flugabwehrraketen - spätestens seit dem Einmarsch der äthiopischen Armee zu Weihnachten 2006 ist Somalia zu einem afrikanischen Irak geworden, in dem fanatisierte Muslime zum „Heiligen Krieg“ gegen die vermeintlich christlichen „Besatzer“ aufrufen, bärtige Söldner zu Hunderten ins Land strömen und ein Frieden für das seit 1991 regierungslose Land heute ferner scheint als vor der Invasion.

          Das vorläufige Ergebnis sind mit unglaublicher Brutalität geführte Häuserkämpfe, geschändete Leichen äthiopischer Soldaten auf den Straßen und eine Massenflucht aus Mogadischu. Rund 600.000 Personen haben die Stadt seit Beginn des Jahres verlassen müssen.

          Der Schuss ging nach hinten los

          Begonnen hatte der Al-Qaida-Aufmarsch am Horn mit einer Fehlentscheidung der Amerikaner. Im Mai vergangenen Jahres hatte Washington auf dem Umweg über eine Allianz diverser Kriegsfürsten versucht, die stetig wachsende Macht der Scharia-Gerichtshöfe in Mogadischu zu brechen, die tatsächlich so etwas wie Ordnung in die anarchische Hauptstadt gebracht hatten. Nach Auffassung der Amerikaner aber boten die Gerichtshöfe Al-Qaida-Mitgliedern Unterschlupf und betrieben zudem die „Talibanisierung“ des Landes. Um dem ein Ende zu bereiten, war mit Hilfe der amerikanischen Botschaft in Nairobi eine Koalition mit dem pompösen Namen „Alliance for the Restoration of Peace and Counter-Terrorism“ (ARPCT) gegründet worden, in der acht Kriegsfürsten aus Mogadischu, darunter vier Minister der weitgehend machtlosen, unfähigen und mit äthiopischem Geld zusammengekauften somalischen Übergangsregierung, organisiert waren. Die Allianz war mit Luftaufklärung, Geld und auf dem Umweg über Äthiopien auch mit Waffen versorgt worden.

          Bild: F.A.Z.

          Doch der Schuss ging nach hinten los. Knapp vier Monate nachdem die Allianz ihre Angriffe auf die Scharia-Milizen aufgenommen hat, kontrollieren die Islamisten Mogadischu, und die Kriegsfürsten mussten sich nach Jowhar absetzen. Gut daran war, dass Mogadischu zum ersten Mal seit Zusammenbruch der Zentralregierung 1991 frei von Kriegsfürsten war. Negativ schlug zu Buche, dass die Amerikaner mit dieser seltsamen Allianz einer vermeintlichen Talibanisierung Somalias nunmehr tatsächlich einen Vorwand geliefert hatten. Aus der Sicht eines gläubigen Muslims nahm sich der Sieg über die Allianz als zweiter Sieg über den „Satan Amerika“ aus, nachdem man die Amerikaner schon bei der gescheiterten Militäraktion „Restore Hope“ zu Beginn der neunziger Jahre aus Mogadischu verjagt hatte.

          Handwerk in Afghanistan gelernt

          Dabei hatten die Amerikaner ihren Verdacht, hinter den Scharia-Gerichtshöfen tue sich das Ungeheuer von Al Qaida auf, mit einer Person begründet: Sheik Hassan Dahir Aweys. Sein Name steht auf der amerikanischen Liste der Terrorverdächtigen. Aweys gilt als einer der Gründer der somalischen Terrorgruppe Al-Ittihad-Al-Islamia, die zu Beginn der neunziger Jahre mit Bombenanschlägen in Äthiopien von sich reden machte. Der Gruppe ging es dabei indes nicht nur um die Schaffung einer islamischen Republik, sondern um die Rückeroberung des Ogaden, einer Region, die überwiegend von Somalis bewohnt wird und heute zu Äthiopien gehört. Inwieweit Al-Ittihad-Al-Islamia heute noch aktiv ist, ist allerdings unklar, nachdem der äthiopische Geheimdienst der Gruppe jahrelang mit einigem Erfolg nachgestellt hatte.

          Der alte Verdacht, Aweys sei der ostafrikanische Filialleiter von Al Qaida, gründete auf seinen beträchtlichen finanziellen Mitteln, deren Herkunft schleierhaft ist. Das heißt nicht unbedingt, dass das Geld aus islamistischen Kreisen kommen muss. Aweys' kompromisslose Haltung in der Ogaden-Frage macht ihn für das eritreische Regime zu einem interessanten Gesprächspartner. Denn alles, was Äthiopien schadet, erfreut Eritrea. Und dass Aweys heute in Eritrea Asyl genießt, ist bestimmt kein Zufall.

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