https://www.faz.net/-gpf-15vx9

Terrorismus : Al-Qaida-Mann in amerikanischem Atomkraftwerk

  • -Aktualisiert am

Sharif Mobley 2002 bei einem Barbecue in Buena, Bundesstaat New Jersey Bild: AP

Ein im Jemen verhafteter Terrorverdächtiger soll jahrelang in Atomkraftwerken an der amerikanischen Ostküste gearbeitet haben. Das schürt die Sorge vor „einheimischem“ Terrorismus in den Vereinigten Staaten. Auch Imame äußern sich besorgt.

          2 Min.

          In den Vereinigten Staaten wächst nach der Festnahme weiterer amerikanischer Terrorverdächtiger im Jemen und in Irland die Sorge vor „einheimischem“ Terrorismus. Am Wochenende wurde bekannt, dass der im Jemen verhaftete 26 Jahre alte Amerikaner Sharif Mobley, der im Bundesstaat New Jersey als Sohn somalischer Auswanderer aufwuchs, von 2002 bis 2008 in mehreren Atomkraftwerken an der amerikanischen Ostküste gearbeitet hat. Eine Untersuchung der amerikanischen Atomaufsichtsbehörde habe vorläufig keine Hinweise darauf ergeben, dass Mobley Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen oder Bereichen der Kraftwerke erhalten habe, hieß es in Washington.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Ein Sprecher der Kraftwerksbetreiber sagte, Mobley sei vor seiner Einstellung allen üblichen Sicherheitsüberprüfungen unterzogen worden und habe später Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten an vier Atomkraftwerken in den Bundesstaaten New Jersey, Pennsylvania und Maryland erledigt. Der Imam einer von Mobley frequentierten Moschee in Philadelphia sagte, dieser habe ihm von seinen Plänen berichtet, bei Sprachkursen im Jemen seine Arabischkenntnisse zu vertiefen. Er habe Mobley dringend abgeraten, in den Jemen zu reisen, ihm vorgeschlagen, stattdessen Kurse in Ägypten oder in Marokko zu belegen.

          Bei Fluchtversuch Wachmann erschossen

          Mobley war schon vor Wochen von den jemenitischen Behörden insgeheim verhaftet worden, weil er im Jemen mit Al Qaida sowie mit den Extremisten von Al Shabab in Somalia in Verbindung gestanden haben soll. Wegen seines Gesundheitszustands war Mobley von einem Gefängnis in das Krankenhaus in Sanaa verlegt worden, von wo er dann zu flüchten versuchte. Bei dem vereitelten Fluchtversuch erschoss er einen Wachmann.

          Derweil wurde aus Irland berichtet, dass sich unter den wegen eines Mordkomplotts gegen den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks sieben nahe Cork festgenommenen Verdächtigen auch die 31 Jahre alte Jamie Paulin-Ramirez aus dem amerikanischen Bundesstaat Colorado befunden habe. Vier der am Dienstag verhafteten Verdächtigen - unter ihnen auch Paulin-Ramirez - seien am Wochenende wieder auf freien Fuß gesetzt worden, es werde aber weiter gegen alle vier Männer und drei Frauen ermittelt.

          Die Mutter von Jamie Paulin-Ramirez äußerte sich gegenüber amerikanischen Medien bestürzt über die jüngste Entwicklung ihrer Tochter. Nach ihrer Konversion zum Islam um Ostern vergangenen Jahres habe sie immer mehr Zeit vor dem Computer verbracht und sei schließlich Mitte September gemeinsam mit ihrem sechs Jahre alten Sohn nach Irland gegangen, um dort offenbar mit einem Algerier zu leben, der ebenfalls zu den jetzt Festgenommen gehört und sich noch immer in Haft befindet. Erst vergangene Woche war bekanntgeworden, dass eine 46 Jahre alte Frau aus Philadelphia seit Oktober in Haft sitzt, weil sie ebenfalls die Ermordung von Vilks geplant haben soll. Offenbar standen die Gruppe in Irland und die Frau, die sich im Internet „Dschihad Jane“ nannte, in Verbindung (siehe auch: Terrorismus: Dschihad Jane).

          Die Verhaftungen der Frauen aus Pennsylvania und Colorado sowie Mobleys hat in den Vereinigten Staaten die Debatte über die Gefahr des einheimischen islamistischen Terrorismus neu entfacht. Imame an amerikanischen Moscheen äußern sich besorgt, dass junge Muslime und Konvertiten sich von ihnen abwenden, stattdessen im Internet nach der „authentischen“ Lehre suchen und dabei auf radikale Prediger und Ideologen stoßen, die zur Gewaltanwendung aufrufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.