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Terrorismus : Abu Abbas in amerikanischer Haft gestorben

  • Aktualisiert am

Abu Abbas Bild: dpa

Ein Jahr nach seiner Verhaftung im Irak ist der palästinensische Extremistenführer Abu Abbas, der Drahtzieher der Entführung des Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro, in amerikanischer Haft gestorben.

          2 Min.

          Der palästinensische Extremist Abu Abbas war bekannt für seine spektakulären Angriffe - von der Entführung des Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro bis zum versuchten Anschlag auf eine israelische Ölraffinerie mit Drachenfliegern - der Sache der Palästinenser hat er damit nicht gedient.

          Der vor elf Monaten von amerikanischen Truppen in Bagdad festgenommene Führer der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) starb am Montag im Alter von 56 Jahren in amerikanischer Haft. Abbas war 1986 abgetaucht, bis zu seiner Festnahme in Bagdad soll er aber weiter Anschläge unterstützt haben. Die Kaperung der „Achille Lauro“ 1985 war der größte Coup von Abul Abbas.

          Größter Coup

          Anhänger des PLF-Chefs entführten das italienische Schiff auf dem Weg von Ägypten nach Israel und verlangten die Freilassung von rund 50 inhaftierten Palästinensern. Bei der Aktion wurde der Amerikaner Leon Klinghoffer erschossen und über Bord geworfen. Zwar ergaben sich die Entführer schließlich den ägyptischen Behörden, doch die Attacke bestärkte das Image der palästinensischen Bewegung als Terrorgruppe.

          Ägypten ließ die Mitglieder der 1976 gegründeten PLF, einer Splittergruppe der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat, nach Tunesien ausreisen, dem damaligen PLO-Sitz. Amerikanische Kampfjets fingen das Flugzeug jedoch ab und zwangen es zur Landung in Sizilien. Die italienischen Behörden sahen allerdings nicht genügend Beweise, um Abbas festzuhalten.

          In Bagdad gefaßt

          Erst nach seiner Flucht nach Jugoslawien und schließlich nach Irak verurteilte ein italienisches Gericht Abbas in Abwesenheit zu lebenslanger Haft. Gefaßt wurde der PLF-Führer erst nach der Eroberung des Irak durch die amerikanischen Streitkräfte im Frühjahr vergangenen Jahres. Am 14. April wurde er bei einer Razzia in einem Außenbezirk von Bagdad festgenommen. Auch weitere PLF-Mitglieder wurden verhaftet, die amerikanischen Spezialtruppen beschlagnahmten Waffen und gefälschte Pässe.

          Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Festnahme damals als Verstoß gegen die mit Israel getroffene Vereinbarung, daß kein PLO-Mitglied wegen Taten verfolgt werden soll, die vor 1993 begangen wurden. Nach Überzeugung der Vereinigten Staaten hatte Abbas vom Irak aus jedoch weiter Anschläge in Israel unterstützt. Erst Anfang vergangenen Jahres berichteten die israelischen Behörden von einem vereitelten palästinensischen Attentat im Auftrag der PLF.

          Der israelische Geheimdienst warf dem in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien geborenen Abbas vor, finanzielle Zuwendungen des gestürzten irakischen Regimes an die Familien von Selbstmordattentätern transferiert zu haben. Zudem soll die PLF im Irak Ausbildungslager betrieben haben. 1990 erlitt die Glaubwürdigkeit des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat einen ersten schweren Rückschlag, als trotz seiner Absage an Gewalt PLF-Aktivisten bei der Vorbereitung eines Anschlags ertappt wurden.

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