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Terrorgruppe Islamischer Staat : Syrische Ölquellen in der Hand der Dschihadisten

  • -Aktualisiert am

Triumphal: Mitglieder der Terrorgruppe Islamischer Staat in Raqqa im Juni Bild: AFP PHOTO / HO / WELAYAT RAQA

Die Ölquellen Syriens sind fast komplett in die Hand der Islamisten gefallen. Die Einnahmen aus den Ölverkäufen dürften die Stellung des „Islamischen Staats“ als stärkster sunnitischer Kampfeinheit weiter stärken.

          Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat alle wichtigen syrischen Ölfelder unter ihrer Kontrolle gebracht. Am Donnerstagabend sei es der von Abu Bakr al Baghdadi geführten Organisation gelungen, das Tanak-Ölfeld in der Provinz Deir al Zor einzunehmen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Zuvor hatten sie bereits das Ölfeld al Omar eingenommen. Mitglieder der Nusra-Front hätten Einheiten des Islamischen Staats demnach kampflos die Kontrolle über die Gebiete überlassen, die alle auf dem Territorium des von Baghdadi am Sonntag ausgerufenen Kalifats liegen. Nur das kleine Ölfeld Ward bleibt noch in den Händen eines lokalen Stammes, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die Syrische Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem dichten Netzwerk aus Aktivisten und Ärzten in Syrien, eine unabhängige Überprüfung ihre Angaben ist oft nicht möglich.

          Der selbst ernannte „Kalif Ibrahim“ hatte die Gruppe zuvor von Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) in Islamischer Staat umbenannt. Nach dem nordsyrischen Raqqa ist Deir al Zor bereits die zweite syrische Ölprovinz, in der der Islamische Staat große Teile des Territoriums beherrscht. Der Erfolg der Offensive im ostsyrischen Deir al Zor, das an den Irak angrenzt, beruht auf den Waffen, die der Islamische Staat den irakischen Regierungseinheiten im Juni abnehmen konnte.

          Die Einnahmen aus den Ölverkäufen dürften die Stellung des Islamischen Staats als derzeit stärkster sunnitischer Kampfeinheit in der Region auf beiden Seiten der Grenze weiter stärken. Bereits in der Vergangenheit verkauften Baghdadis Kader Öl an Mittelsmänner des syrischen Machthabers Baschar al Assad, aber exportierten es auch auf dem Landweg in die Türkei. Im Gegenzug für die Treibstoff-Lieferungen versorgt das Regime in Damaskus Raqqa und die umliegenden Gemeinden mit Strom. Aktivisten zufolge sollen außerdem chinesische Telekommunikationsfachleute der Firma Huawei in Raqqa tätig sein, um Telefonleitungen instand zu halten. Das Finanzvolumen des Islamischen Staats wird auf anderthalb Milliarden Dollar geschätzt, wovon ein Großteil aus Erlösen von Ölverkaufen stammt. 

          Ein irakischer Armeesprecher teilte am Freitag mit, dass bei Luftangriffen auf Fahrzeuge des Islamischen Staats in Baidschi dreißig Kämpfer getötet worden seien. Die Attacke habe sich ereignet, als die Dschihadisten Armeeeinheiten angriffen, die die Ölraffinerie der Stadt verteidigten. Um die wichtigste Raffinerie des Landes kämpfen Islamisten und Regierungseinheiten bereits seit drei Wochen. Unterdessen kündigte der bisherige Parlamentspräsident Usama al Nudschaifi an, nicht abermals für das Amt zu kandidieren. Damit wolle er es den schiitischen Parteien erleichtern, einem Rückzug Ministerpräsident Nuri al Malikis aus der Exekutive zuzustimmen. Am kommenden Dienstag will das irakische Parlament über einen neuen Präsidenten entscheiden; danach stehen die Wahl des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs an.

          Irakische Armee meldet Geländegewinne

          Derweil hat die irakische Armee nach eigenen Angaben die radikal-islamischen Rebellen in der Nähe der strategisch wichtigen Stadt Tikrit zurückgedrängt. Die Armee habe dort das Dorf Audscha von Aufständischen „vollständig gereinigt“, sagte Militärsprecher Kassam Atta am Freitag. Audscha ist das Heimatdorf des früheren Machthabers Saddam Hussein, seine Eroberung ist symbolträchtig. Tikrit selbst blieb aber unter Kontrolle des Islamischen Staates. Die Soldaten hätten Audscha in der Nacht zu Freitag mit Unterstützung schiitischer Milizen und unter dem Einsatz von Hubschraubern eingenommen, berichteten staatliche Medien, die Polizei und Einwohner des Dorfes. Nach Armeeangaben wurden 30 Rebellen getötet. Die Regierungstruppen kontrollierten nun die wichtige Verbindungsstraße zwischen Samarra und Audscha, hieß es. Samarra liegt nur 100 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt.

          In Audscha kämpften an der Seite der Rebellen des Islamischen Staates auch Angehörige der Nakschbandi-Armee, die sich aus früheren Armeeoffizieren und Anhängern der einstigen Baath-Partei Saddams zusammensetzt. Allerdings sind der Islamische Staat und Nakschbandi nicht überall im Irak verbündet. In Hawidscha bei Kirkuk im Norden des Landes lieferten sich beide Gruppen heftige Gefechte, mindestens 15 Menschen wurden getötet.

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