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Terrordrama in Algerien : Militäraktion zur Befreiung der Geiseln nicht beendet

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Im Südosten Algeriens: Auf dem Gasfeld In Amenas kidnappten die Islamisten die Ausländer. Bild: AP

Die Kämpfe zwischen algerischen Soldaten und den radikalislamischen Geiselnehmern auf einer Gasförderanlage im Südosten des Landes sind nicht zu Ende, sagt die Regierung in Algier. Norwegen, Großbritannien und die Vereinigten Staaten kritisieren mangelhafte Informationen.

          Die Militäraktion zur Befreiung ausländischer Geiseln in Algerien ist nach Angaben der Regierung in Algier noch nicht beendet. Informationsminister Mohamed Said Belaid widersprach am Donnerstagabend anderslautenden Berichten des staatlichen Rundfunks, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. „Die Armeeoperation dauert an“, sagte er dem staatlichen Fernsehen.

          Der britische Premier David Cameron kritisierte in London die algerische Informationspolitik, Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg beklagte, man habe weiter keine sicheren Informationen über das Schicksal der Geiseln, die von Islamististen auf einem Gasfeld im Osten Algerien festgehalten wurden. Auch die Vereinigten Staaten forderten „Klarheit“ von der algerischen Regierung.

          Unklar, wie viele Tote es gab

          Bei dem Versuch des algerischen Militärs, das Geiseldrama auf einem Gasfeld im Osten des Landes mit einem Luftangriff zu beenden, hatte es offenbar ein Blutbad gegeben. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI berichtete am Donnerstag unter Berufung auf einen der islamistischen Geiselnehmer, 35 Geiseln und 15 Entführer seien getötet worden. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr am Donnerstag von einem Informanten vor Ort, sechs Ausländer seien bei der Aktion algerischer Soldaten getötet worden und 25 entkommen. Außerdem seien acht der islamistischen Geiselnehmer ums Leben gekommen.

          Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse waren die Zahlen zunächst nicht überprüfbar. Die Geiselnehmer hatten nach eigenen Angaben 41 Ausländer und zahlreiche Algerier am Mittwochmorgen in ihre Gewalt gebracht. Sie forderten ein Ende der französischen Militärintervention im benachbarten Mali. Rund 600 algerische Arbeiter der Förderanlage konnten nach einer Meldung der staatlichen Agentur APS von dort fliehen.

          Vergeltung für Mali

          Mit dem Überfall in Algerien bewahrheitete sich die Befürchtung, dass die Militäraktion in Mali zu Vergeltungsmaßnahmen von Islamisten in anderen Teilen der Welt führen wird. Frankreichs Botschafter in Mali, Christian Rouyer, sah in der Geiselnahme eine Rechtfertigung für die Mali-Intervention. „Wir haben hier den unmittelbaren Beweis, dass das Problem weit über den Norden Malis hinausgeht“, sagte er im Rundfunk. Die Dimension des Problems sei national und international.

          Die Geiselnehmer, eine Gruppe, die sich „Bataillon des Blutes“ nennt, forderten die Beendigung des französischen Militäreinsatzes in Mali. Ihre Aktion richte sich auch gegen die algerische Regierung, die den französischen Kampfflugzeugen Überflugrechte gewährt habe, erklärte die Gruppe. Algerien lehnte Verhandlungen mit den Islamisten ab.

          Anführer der Geiselnehmer ist nach algerischen Angaben Mokhtar Belmokhtar, ein islamistischer Untergrundkämpfer, der schon gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan gekämpft hatte. Er soll kürzlich eine eigene Gruppe in der Sahara gebildet haben, nachdem er sich mit anderen lokalen Anführern der Al Qaida überworfen hatte.

          Die Geiselnehmer erlaubten am Morgen offenbar einigen der Gefangenen Kontakte zu Medien, um die algerische Regierung davon abzuhalten, die besetzte Förderanlage zu stürmen. Einige der Geiseln müssten Sprengstoffgürtel tragen, sagte einer der Festgehaltenen. Die Entführer seien schwer bewaffnet und drohten damit, die Einrichtungen an dem Gasfeld in die Luft zu sprengen, wenn das algerische Militär einen Befreiungsversuch starte, sagte eine der Geiseln dem Sender France 24. Zwei von ihnen, ein Brite und ein Ire, riefen im Fernsehsender Al Dschaszra die algerischen Streitkräfte auf, sich zurückzuziehen, um Opfer zu vermeiden. „Wir werden von den Kidnappern gut behandelt“, sagte der Brite. Man versuche sie zu überzeugen, dass Verhandlungen die beste Lösung seien, um Opfer zu vermeiden.

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