https://www.faz.net/-gpf-9kvqh

49 Tote bei Anschlägen : Was wir über den Täter von Christchurch wissen

Polizisten vor einer Moschee im Zentrum von Christchurch Bild: dpa

Bei einem Angriff auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind 49 Menschen ermordet worden. Der mutmaßliche Haupttäter stammt aus Australien und wird als „extremistischer, rechtsgerichteter, gewalttätiger Terrorist“ bezeichnet.

          Was wir wissen:

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Gegen 13.45 (Ortszeit) eröffnete ein Mann mit einem Schnellfeuergewehr das Feuer auf die Al-Noor-Moschee in der Deans Avenue im Neuseeländischen Christchurch. Um die Zeit hatten sich Gläubige zum Freitagsgebet dort versammelt. Einen zweiten Angriff gab es auf eine Moschee in Linwood, einem anderen Stadtteil von Christchurch.

          Bei dem Angriff auf die Al-Noor-Moschee starben 41 Menschen, sieben Menschen wurden bei dem zweiten Angriff getötet und eine Person erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus. Unter den Opfern befanden sich nach Angaben von Premierministerin Jacinda Ardern auch mehrere Kinder. Einen Tag nach dem Anschlag werden noch 39 weitere Menschen mit Schusswunden im Krankenhaus in Christchurch behandelt, elf davon in Intensivbehandlung. Unter den Verletzten sind auch Indonesier, Araber, Malaysier, Türken und Jordanier.

          Im Internet wurde ein Video veröffentlicht, dass einen Livestream vom dem Angriff auf die Al-Noor-Moschee zeigen soll. Die Nachrichtenagentur AFP stufte das Video als authentisch ein und die Polizei rief dazu auf, es nicht zu verbreiten.

          In dem Video ist zu hören, wie der mutmaßliche Täter auf seiner Autofahrt ein serbisch-nationalistisches-Kampflied abspielt. Der bosnische Botschafter in Neuseeland bestätigte, dass es sich dabei um das Lied „Karadžić, führe deine Serben“ handelt. Radovan Karadžić wurde 2016 vom UN-Kriegsverbrechertribunal des Massakers von Srebrenica schuldig befunden. In Srebrenica wurden im Juli 1995 während des Bosnienkrieges mehr als 8000 Menschen – vor allem Muslime – von serbischen Soldaten ermordet.

          2018 soll der Täter Bulgarien als Tourist besucht und sich an historischen Orten aufgehalten haben. Anschließend sei er nach Rumänien und Ungarn weitergereist, berichtet der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow. Bereits 2016 soll er auch weitere Balkanländer bereist haben. Bulgarien ermittelt nun, ob der Täter von Neuseeland Kontakte in den Balkan hatte.

          Die Polizei hat vier Menschen in Gewahrsam genommen, darunter auch den mutmaßlichen Schützen, der in seinem Auto gestellt worden war. Einer der Festgenommen ist wieder auf freiem Fuß. Die Polizei teilte außerdem mit, sie habe ein Fahrzeug mit Sprengsätzen gefunden, diese jedoch unschädlich machen können.

          Der Hauptverdächtige wurde mittlerweile offiziell als der 28-jährige Australier Brenton T. identifiziert. Auf dem Video, das mutmaßlich den Angriff zeigt, blickt ein weißer Mann mit kurzen Haaren direkt in die Kamera. Medienberichten zufolge soll es sich um T. handeln, einen ehemaligen Fitnesstrainer aus Grafton im australischen Bundesstaat New South Wales. Die Zeitung „The Australian“ berichtete, dass der Täter schon früher merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben habe. In einem Online-Eintrag von 2011 habe der Mann über sich geschrieben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel.“

          Der mutmaßliche Attentäter wurde am Samstag Morgen (Ortszeit) einem neuseeländischen Richter vorgeführt. Dieser legte dem ihm in der Anhörung offiziell Mord zur Last. Der Mann stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

          Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem „terroristischen Angriff“ und einem der „dunkelsten Tage“ in Neuseelands Geschichte. Die mutmaßlichen Täter hätten aber auf keiner Überwachungsliste gestanden. Der australische Premierminister Scott Morrison sagte, bei dem mutmaßlichen Täter handle es sich um einen australischen Staatsbürger. Er sagte, der Mann sei ein „extremistischer, rechtsgerichteter, gewalttätiger Terrorist“. Laut Ardern war er im Besitz eines Waffenscheins , den er im November 2017 erworben hatte.

          Weitere Themen

          Großer Protest gegen Nationalismus Video-Seite öffnen

          Europa vor den Wahlen : Großer Protest gegen Nationalismus

          Eine Woche vor der Europawahl sind tausende Menschen in mehreren Städten in Deutschland auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen. Europaweit waren Demonstrationen in rund 50 Städten geplant.

          Österreich wird neues Parlament wählen Video-Seite öffnen

          Regierungskrise : Österreich wird neues Parlament wählen

          Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen schlägt Neuwahlen im September vor. Sie seien nicht gewollt, sondern notwendig, erklärt Kanzler Kurz. Ein Video führte zum Bruch der Rechts-Koalition.

          Topmeldungen

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Deutschland beim ESC : S!sters am Ende

          Der deutsche Beitrag beim ESC landet mal wieder auf einem der letzten Plätze. Was haben die S!sters falsch gemacht? Und warum suchen sie die Fehler bei anderen?

          Meister Bayern München : Der stille Abgang des Jérôme Boateng

          Die Bayern feiern – nur einer will nicht mitmachen. Jérôme Boateng ist nur eine Randfigur. Er verlässt das Stadion wortlos als erster Münchner. Bei der abendlichen Feier steht Boateng gar nicht mit der Mannschaft auf dem Balkon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.