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Terroranschlag Frankreich : Als Held gefallen

„Er hat sein Leben gegeben, um unsere Bürger zu schützen“, schreibt Präsident Emmanuel Macron. Bild: AFP

Während des Terroranschlags auf einen Supermarkt in der Nähe von Carcassonne hat ein Gendarm sein Leben gegeben, um andere zu schützen. Frankreichs Präsident lobt ihn nun in den höchsten Tönen.

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          Das Foto des Gendarmen Arnaud Beltrame fehlt am Sonntag auf keiner französischen Titelseite. Der 45 Jahre alte Mann setzte während des Terroranschlags in einem Supermarkt nahe Carcassonne sein Leben heldenhaft aufs Spiel: Er ließ sich gegen eine Geisel, eine Frau, austauschen, um sie zu retten. Der Gendarm im Rang eines Oberstleutnants erlag am Samstag den Schussverletzungen, die ihm der islamistische Terrorist zugefügt hatte. „Er hat sein Leben gegeben, um unsere Bürger zu schützen“, schreibt Präsident Emmanuel Macron in einem Kommuniqué. Beltrame werde in einer nationalen Trauerfeier geehrt werden. Der Gendarm sei „als Held gefallen“, sagte der Präsident. Innenminister Gérard Collomb twitterte: „Frankreich wird niemals sein Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen.“

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Gendarmerie erläuterte, der Mann habe sich bei Verhandlungen mit dem Täter gegen eine Geisel eintauschen lassen. Unklar sei noch, ob die anderen Geiseln zum gleichen Zeitpunkt gehen konnten oder möglicherweise schon kurz vorher – jedenfalls war der Polizist am Ende alleine mit dem Täter im Supermarkt. Beltrame ließ geistesgegenwärtig sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abgespielt habe. Der Gendarm wurde schwer verletzt, als der islamistische Terrorist unter noch nicht ganz geklärten Umständen auf ihn schoss – daraufhin stürmte die Polizei das Gebäude und erschoss den Terroristen. Auch zwei weitere Beamte wurden bei dem Sturm auf den Geiselnehmer verletzt.

          Erhöhte Wachsamkeit

          Die Terrorattacke in der Kleinstadt Trèbes bei Carcassonne mit vier Toten und fünfzehn Verletzten war der erste schwerere Terroranschlag seit dem Amtsantritt Macrons. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bezichtigte sich der Verantwortung für den Angriff. Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb war der Täter, der 25 Jahre alte, in Marokko geborene Franzose Radouane Lakdim als radikalisierter Islamist bekannt. Der Verdacht habe aber nicht erhärtet werden können. Lakdim war ins französische Register für Gefährder eingetragen und sollte deshalb eigentlich überwacht werden. In Frankreich wurde am Wochenende hitzig darüber debattiert, ob die Überwachungsmaßnahmen für Gefährder ausreichend seien. Macron teilte mit, alle Präfekten angewiesen zu haben, Verantwortliche derjenigen Behörden einzubestellen, die mit der Beobachtung „radikalisierter Personen“ befasst sind. Es müsse erhöhte Wachsamkeit herrschen.

          Lakdim hatte in der südfranzösischen Stadt Carcassonne am Freitagmorgen unter Waffengewalt ein Auto geraubt. Bei dem Angriff tötete er den Beifahrer, der Fahrer schwebte am Sonntag noch in Lebensgefahr. Auf der Fahrt schoss er von dem Auto aus auf Polizisten, die von einem Jogginglauf in ihre Kaserne zurückkehrten. Er verletzte einen Polizisten an der Schulter. Dann überfiel er in Trèbes etwa zehn Kilometer westlich von Carcassone einen Supermarkt und nahm Kunden und Personal als Geiseln. Beim Sturm der Einsatzkräfte wurde der Terrorist getötet, der sich als „Soldat“ des IS bezeichnete. Am Sonntag wurde bekannt, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Die Ermittler entdeckten in dem Supermarkt drei selbst gefertigte Sprengsätze. An dem Tatort wurde auch eine Pistole vom Kaliber 7,65 und ein Jagdmesser entdeckt.

          Die Polizei fahndet nun nach möglichen Helfern des Terroristen. Eine Frau aus dem Umfeld des Täters sowie ein minderjähriger Freund von Radouane L. wurden in Polizeigewahrsam genommen. Der Angreifer hatte Vorstrafen wegen kleinerer Delikte, er verbüßte eine kurze Haftstrafe. Die Behörden hatten ihn seit Jahren wegen möglicher Radikalisierung in einer Datenbank erfasst. 2016 und 2017 wurde er deshalb sogar überprüft – in welcher Form, war zunächst nicht bekannt. Antiterror-Staatsanwalt François Molins sagte, dabei hätten sich keine Anzeichen für die Vermutung ergeben, dass der Mann zu einer Terrortat schreiten könnte. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Täters fanden Ermittler Hinweise auf die Terrormiliz IS. Dabei handelt es sich um digitale Datenträger und handschriftliche Aussagen mit Anspielungen auf den IS. Das Geschriebene würde an ein Testament erinnern.

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