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Terroranschlag auf Moskauer Flughafen : Auch ein Deutscher ist unter den Opfern

  • -Aktualisiert am

Der Sprengsatz wirkte wie eine Streubombe: Den Sanitätern boten sich deshalb erschreckende Bilder Bild: dpa

Nach dem Selbstmordattentat am Moskauer Flughafen Domodedowo wird nach drei verdächtigen Männern gefahndet. Insgesamt starben mindestens 35 Menschen, unter ihnen auch ein Deutscher. Mehr als hundert wurden zum Teil schwer verletzt.

          Bei einem Terroranschlag in der Ankunftshalle des internationalen Flughafens Domodedowo in Moskau sind am Montag nach offiziellen Angaben mindestens 35 Personen getötet worden. Mehr als 100 Personen wurden verletzt, viele von ihnen sehr schwer. Nach den Angaben der russischen Behörden fielen dem Anschlag auch EU-Bürger zum Opfer: Ein Deutscher, zwei Briten, ein Bulgare und eine Ukrainerin, außerdem insgesamt drei Menschen aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien starben.

          Der 1976 geborene deutsche Staatsbürger sei unter den ersten identifizierten Leichen, teilte das Katastrophenschutzministerium in Moskau mit. Unter den Verletzten sollen eine weitere Deutsche, ein Franzose, ein Italiener und ein Slowake sein. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, der Zustand der Deutschen sei stabil.

          Der russische Präsident Medwedjew sagte wegen des Anschlags die für diesen Dienstag geplante Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos ab. Nach dem Anschlag wurden an den beiden anderen Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo sowie an den Bahnhöfen und in der Metro der russischen Hauptstadt die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

          Helfer bringen Tragen für die Verletzten: Mehr als 100 Menschen wurden zum Teil schwer verwundet

          Über den Hergang des Anschlags fehlten bis zum Abend gesicherte Angaben. Interfax berichtete, die Behörden vermuteten ein Selbstmordattentat. Laut dem Bericht fahndet die Miliz nach drei verdächtigen Männern, die die Bombe möglicherweise mit einem Handy ferngezündet haben könnten.

          Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, dass ein Selbstmordattentäter die Bombe mitten in einer Ansammlung von Menschen gezündet habe. Gewährsleute in den Sicherheitskräften sagten der Agentur am Abend, in der Ankunftshalle sei der abgetrennte Kopf eines Menschen gefunden worden, bei dem es sich womöglich um den Selbstmordattentäter gehandelt habe.

          Furchtbare Szenen nach der Explosion

          Die Sprengladung, die um 16.32 Uhr gezündet wurde, war mit Metallstücken gefüllt, wodurch sie die Wirkung einer Streubombe erhielt. Augenzeugen berichteten am Montag über furchtbare Szenen nach der Explosion. Die meisten Verletzten wurden in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht. Der Flugverkehr in Domodedowo ging aber laut offiziellen Angaben nach einer kurzen Unterbrechung weiter.

          Bis zum Abend hatte sich niemand des Attentats bezichtigt. Interfax berichtete aber unter Berufung auf Quellen in den Sicherheitskräften, der Selbstmordattentäter stamme möglicherweise aus dem Nordkaukasus. Die Agenturen Ria-Nowosti und Interfax zitierten ungenannte Quellen aus den Sicherheitskräften, nach denen die russischen Geheimdienste Warnungen vor einem geplanten Anschlag erhalten hatten.

          Interfax brachte den Anschlag mit einer Explosion in einem Haus im Südosten Moskaus in der Silvesternacht in Verbindung, bei der eine Frau umkam, deren Mann zum islamistischen Untergrund im Nordkaukasus gehörte. Die Ermittler vermuten nach dieser Darstellung, dass diese Frau für einen Selbstmordanschlag vorbereitet worden sei, der Sprengsatz aber versehentlich zu früh explodiert sei. Über eine wenig später festgenommene Begleiterin dieser Frau seien die Sicherheitskräfte dann auf die Spur der drei aus Tschetschenien stammenden Männer gekommen, die nun im Verdacht stünden, den Anschlag in Domodedowo organisiert zu haben. Nach Angaben von Ria-Nowosti hatten die Sicherheitskräfte auch Informationen, dass die drei Männer einen Anschlag auf einen der Moskauer Flughäfen planten. Sie hätten den oder die Attentäterin vermutlich am Flughafen abgesetzt.

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