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Terroranschläge in Frankreich : Macron braucht Hilfe

  • -Aktualisiert am

Zwei Polizeibeamte patrouillieren vor der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Bild: dpa

Der Terroranschlag in der größten Kirche Nizzas sowie die versuchten Messerattacken in Lyon und Sartrouville bei Paris sind Teil einer radikalen islamistischen Offensive, die ganz Europa betrifft. Frankreich bildet den Hauptschauplatz.

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          Die Schockwelle nach der Enthauptung des Geschichtslehrers ist kaum verebbt, da erschüttert eine grausame Messerattacke auf drei gläubige Katholiken von neuem Frankreich. Der Terroranschlag in der größten Kirche Nizzas kurz vor Allerheiligen wie die versuchten Messerattacken in Lyon und Sartrouville bei Paris sind Teil einer radikalen islamistischen Offensive, die ganz Europa betrifft. Frankreich bildet den Hauptschauplatz, weil sein junger Präsident mit der Kultur des Wegsehens und Beschönigens gebrochen hat. Seine Ankündigungen im Kampf gegen den „islamischen Separatismus“ haben ihm den geballten Hass derjenigen eingebracht, die seit Jahren die Wehrhaftigkeit der offenen europäischen Gesellschaften auszuhöhlen versuchen.

          Es ist nicht das erste Mal, dass die katholische Kirche ins Visier der Islamisten rückte. Im April 2015 wurde ein Anschlag auf eine Kirche in Villejuif nur durch Glück vereitelt. Der mutmaßliche Attentäter muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Ende Juli 2016 enthaupteten zwei junge Islamisten den Priester Jacques Hamel während des Gottesdienstes in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie. Der Attentäter in Nizza griff unter Allahu-akbar-Rufen den Küster und die zwei im Gebet versunkenen Frauen in der Kirche an, weil sie Christen waren.

          Unter den Kirchenoberen regt sich Unmut darüber, den Terrorismus mit Gebeten, Kerzen und Solidaritätsbekundungen besiegen zu wollen. Der Erzbischof von Straßburg, Luc Ravel, warnte davor, von Einzeltätern zu sprechen. Es handele sich nicht um eine Serie von „Gestörten“, sondern um einen Krieg, den die Regierung führen müsse. Inzwischen ist bekannt, dass ein in Frankreich lebender tunesischer Imam, Béchir Ben Hassen, kurz vor der Messerattacke über Facebook zu Rache an denjenigen aufgerufen hatte, die den Propheten beleidigt hätten. Er forderte dazu auf, Ungläubige zu enthaupten. Noch immer fehlt es an effizienten Instrumenten, den Missbrauch der sozialen Netzwerke durch Hassprediger zu unterbinden, wie auch die Hetzkampagne gegen den Lehrer zeigte.

          Autoritäre Lösungen erscheinen attraktiver denn je

          Der Weg des tunesischen Attentäters von der illegalen Überfahrt nach Lampedusa, der Weiterreise nach Bari sowie der Ausweisung aus Italien ohne weitere Kontrollen wirft ein Schlaglicht auf die Versäumnisse der europäischen Immigrationspolitik. Die Schwächen des liberalen Rechtsstaates werden von der Rechtspopulistin Marine Le Pen unbarmherzig ausgebeutet. Sie fordert die Schließung der Grenzen und die Einsetzung eines Kriegsrechts, um die islamistische Bedrohung entschlossener bekämpfen zu können.

          Die Zange aus der terroristischen Bedrohung auf der einen und rechtsextremen Lösungsansätzen auf der anderen Seite schließt sich immer mehr. Die starken Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten aufgrund der schweren Gesundheitskrise tragen dazu bei, dass vielen Bürgern autoritäre Lösungen attraktiver denn je erscheinen. Der bleierne Herbst Frankreichs wirkt wie eine Mahnung, die Vorzüge der freiheitlichen Grundordnung mit Nachdruck zu verteidigen. Emmanuel Macron braucht dabei Unterstützung.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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