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Terroranschlag von London : Was wir wissen – und was noch nicht

  • Aktualisiert am

Polizisten sichern am Mittwochnachmittag den Tatort am Parlamentsgebäude in London ab. Bild: AP

Nach dem Anschlag in London haben die Behörden schon vieles aufgeklärt. Offen ist noch, ob der Täter eine Verbindung zum „Islamischen Staat“ und womöglich auch Komplizen hatte. Ein Überblick über die Erkenntnisse.

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          Beim Terroranschlag auf der Westminster-Brücke und am Parlament im Herzen Londons hat ein Angreifer mindestens vier Menschen getötet und etwa 50 teils schwer verletzt. Der Täter wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen hatte.

          Was wir wissen

          Der Täter: Der Attentäter wurde als Adrian Russell Ajao in Großbritannien geboren, trat aber unter mehreren Identitäten auf und nahm zuletzt den Namen Khalid Masood an. Der 52-Jährige wurde in der südostenglischen Grafschaft Kent geboren und lebte zuletzt in der Region West Midlands. Er war den Behörden bereits bekannt und mehrmals vorbestraft. Vor Jahren wurde er im Zusammenhang mit „gewalttätigem Extremismus“ vom Geheimdienst MI5 beobachtet. Es habe jedoch vor dem Attentat keine aktuellen Verdachtsmomente gegeben, sagt Premierministerin May. Angebliche Nachbarn sagten britischen Medien, Masood habe eher unauffällig mit Frau und Kindern in Birmingham gelebt. Den Berichten zufolge soll er zum Islam konvertiert und sehr religiös geworden sein. Angeblich lebte er auch eine Zeitlang in Saudi-Arabien.

          Die Tat: Masood raste am Mittwochnachmittag mit einem Auto über den Gehweg der Westminster-Brücke. Dabei erfasste und tötete er mehrere Passanten. Nach einigen hundert Metern krachte er mit seinem Auto in den Zaun des Parlamentsgeländes. Er sprang aus dem Wagen und stach mit einem Messer einen unbewaffneten Polizisten nieder, bevor er von einem anderen Beamten erschossen wurde.

          Der Hintergrund: Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beansprucht den Anschlag für sich. Ein „Soldat“ des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Donnerstag. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS verbreitet.

          Die Todesopfer: Es gab neben dem Angreifer mindestens vier Tote – ein etwa 50 Jahre alter amerikanischer Tourist, eine 43 Jahre alte Britin mit spanischen Wurzeln, ein 75 Jahre alter Mann sowie der 48 Jahre alte Polizist, ein Vater und Ehemann.

          Die Verletzten: Mindestens 50 Menschen wurden nach Polizeiangaben teils schwer verletzt. Sie stammen aus mindestens elf Staaten: Großbritannien, Frankreich, Rumänien, Griechenland, Südkorea, Deutschland, Vereinigte Staaten, Polen, Italien, China und Irland. Eine Frau wurde stark blutend aus der Themse gerettet.

          Die Ermittlungen: Nach dem Anschlag gab es bereits zehn Festnahmen, zuletzt zwei am Freitag, die von den Behörden als wichtig gewertet werden. Die Polizei durchsuchte Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten. Sie beschlagnahmte tausende Gegenstände und stellte Daten auf Computern sicher. Um an Hinweise zu gelangen, wurden bereits tausende Zeugen kontaktiert.

          Was wir (noch) nicht wissen

          Motivation des Täters: Unklar ist zunächst, ob der Täter aus eigenem Antrieb handelte, oder ob er vom IS gezielt mit dieser Tat beauftragt wurde. Auch darüber, ob er überhaupt in Kontakt mit der Terrormiliz gestanden hat, gibt es noch keine Informationen. Zudem stellt sich die Frage, ob der gebürtige Brite seinen Anschlag bewusst genau ein Jahr nach den Attentaten in Brüssel begangen hat.

          Mögliche Mittäter: Scotland Yard vermutet zurzeit, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, schließt aber nicht aus, dass es Mitwisser oder gar Mittäter gibt. Im Fokus der Ermittlungen gegen Masood stehen „Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen“. Unklar war zunächst auch, was den nach den Hausdurchsuchungen Festgenommenen vorgeworfen wird, und in welcher Beziehung sie zu dem Täter standen.

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