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Terroranschlag in Tunesien : „Sie kamen als Touristen, sie haben den Tod gesehen“

  • Aktualisiert am

Sicherheitskräfte im Hotel Marhaba Bild: dpa

Der Attentäter von Tunesien war ein Einzeltäter. Der 23 Jahre alte Student richtete in einem tunesischen Badeort ein Blutbad an. 37 Menschen starben, viele von ihnen waren Touristen. Das Auswärtige Amt befürchtet, dass auch Deutsche unter den Opfern sind.

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          Tunesien ist von einem neuen Terroranschlag erschüttert worden, der sich wieder gegen Touristen richtete. In der Touristenregion Port El Kantaoui nahe der Stadt Sousse an der Mittelmeerküste wurden nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums mindestens 37 Menschen getötet und 36 verletzt, zunächst hatte das Innenministeriums von 28 Opfern gesprochen, viele waren Feriengäste.

          Das Auswärtige Amt befürchtet, dass Deutsche bei dem Attentat getötet wurden. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind“, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitagabend in Berlin. „Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist.“  Örtliche Behörden hatten bereits kurz nach Bekanntwerden der Attentate erklärt, dass sich auch Deutsche unter den Opfern befänden.

          Der Krisenstab der Bundesregierung und die deutsche Botschaft in Tunis bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes weiter. Ein sogenanntes Konsularteam sei am Anschlagsort eingetroffen und verschaffe sich einen Überblick. Eine Krisenhotline für Angehörige von Deutschen, die in Port El Kantaoui Urlaub machen, wurde eingerichtet (030 5000 3000).

          Attentäter hat Anschlag alleine verübt

          Entgegen ersten Angaben hat wohl nur ein Attentäter den Terroranschlag verübt. Ein Sprecher des Innenministeriums in Tunesien sagte am Freitagabend, es gebe „keine offiziellen Verhaftungen“ von weiteren Tatverdächtigen. Zuvor hatten Quellen berichtet, ein zweiter mutmaßlicher Täter sei festgenommen worden. Später war von einem Schützen die Rede, einem 23 Jahre alten tunesischen Studenten, den Sicherheitskräfte töteten.

          Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am belebten Strand. Dort lagen auch nach Stunden noch Leichen von Urlaubern, von Handtüchern bedeckt.  

          Als Reaktion auf den Anschlag entschied sich ein Großteil der ausländischen Hotelgäste für eine schnelle Abreise. „Die meisten ausländischen Überlebenden haben es vorgezogen abzureisen, wir koordinieren das mit ihren Reisebüros“, sagte Salwa al-Kadri, die als lokale Reiseführerin in dem Hotel arbeitet. „Sie kamen als Touristen, aber sie haben den Tod mit eigenen Augen gesehen. Es ist schwer für sie, an diesem Ort zu bleiben, nachdem sie all dieses Töten gesehen haben. Jeder hier steht immer noch unter Schock.“

          Es ist der zweite Anschlag binnen kurzer Zeit, der sich gegen den Tourismus richtet, von dem die darbende Wirtschaft des Landes maßgeblich abhängt. Sie trifft Tunesien an einem empfindlichen Punkt. Im März, als das Geschäft gerade dabei war, sich zu erholen, hatten radikale Islamisten das Nationalmuseum in Tunis gestürmt und 22 Menschen getötet, die meisten von ihnen waren ausländische Touristen. Die neue tunesische Regierung um Präsident Béji Caïd Essebsi, die seit dem vergangenen Herbst im Amt ist, ist mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert, die Wirtschaft liegt am Boden, was als Gefahr für die Stabilität des Landes gilt.

          Essebsi hat die innere Sicherheit und den Kampf gegen den Terrorismus zur wichtigsten Aufgabe der neuen Führung erklärt. Doch obwohl die Regierung mit harter Hand gegen radikale Islamisten vorgeht, gelingt es den Dschihadisten immer wieder, Anschläge zu verüben. Die Führung gibt vor allem dem Staatszerfall im Nachbarland Libyen die Schuld an den Sicherheitsproblemen im eigenen Land. Die Sicherheitskräfte haben große Schwierigkeiten, die Grenze zu kontrollieren und den Waffenschmuggel und das Schleusen von Dschihadisten zu unterbinden. Radikale Salafisten hatten die unruhigen Jahre nach dem Fall des Ben-Ali-Regimes genutzt, um ihre Ideologie zu verbreiten. Die von der islamistischen Partei Ennahda geführte Vorgängerregierung war den Umtrieben der Salafisten nur halbherzig entgegengetreten.

          Ob es einen Zusammenhang zu den beiden Anschlägen in Frankreich und Kuweit gibt, ebenfalls am Freitag verübt wurden, ist noch unklar.

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