https://www.faz.net/-gpf-8ylhu

Terror in Teheran : Ein großer Erfolg für den IS

Der Anschlag von Teheran trifft die Iraner besonders unvermittelt. Sogleich versuchen die Hardliner ihren eigenen Einfluss auszuweiten. Das verheißt nichts Gutes für den Konflikt mit Saudi-Arabien.

          Für die Terroristen vom „Islamischen Staat“ ist der Anschlag von Teheran, also auf das politische Zentrum des schiitischen Islams, ein großer Propagandaerfolg. Der Hass auf Iran eint viele sunnitische Extremisten. Trotzdem war es dem allgegenwärtigen iranischen Geheimdienst jahrelang gelungen, Schlimmeres zu verhindern – bis jetzt. Auch deshalb trifft der Anschlag die Iraner besonders unvermittelt. Wie in anderen Ländern wird der Terror auch in Iran dazu führen, dass sich die Reihen hinter den Sicherheitskräften schließen. Diese werden in Iran von Hardlinern kontrolliert, die sogleich versuchten, den Angriff zu nutzen, um den eigenen Einfluss auszuweiten.

          Die Revolutionsgarden bezichtigten Saudi-Arabien, in den Anschlag verwickelt zu sein. Das verheißt nichts Gutes für den Konflikt mit Riad, der sich in den vergangenen Tagen nach dem Waffendeal mit Washington gefährlich zugespitzt hat. Siehe Qatar. Viele Iraner werden gern bereit sein, den Worten der Revolutionsgarden Glauben zu schenken, denn sie betrachten Riad ohnehin als geistigen Vater des IS. Solche Stimmen, die für Deeskalation und eine Annäherung an Saudi-Arabien plädieren, zu denen in der Vergangenheit auch Präsident Hassan Rohani zählte, dürften vorerst verstummen.

          Der Angriff von Teheran erinnert daran, dass der IS in einem Umfeld florieren konnte, in dem sich mehrere Konfliktlinien überlagern. Iran finanziert einerseits Terrorgruppen, ist aber andererseits eine relevante Kraft im Kampf gegen den IS und hat maßgeblich zu dessen Zurückdrängung beigetragen. Diese Erfolge sind in Gefahr, wenn der Konflikt zwischen Riad und Teheran weiter eskaliert.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Was der baltische Weg bewirkt hat

          FAZ Plus Artikel: Vor 30 Jahren : Was der baltische Weg bewirkt hat

          Am 23. August 1989 schlossen sich rund zwei Millionen Demonstranten zu einer 670 Kilometer langen Menschenkette zusammen. In der Erinnerung vieler Litauer spielt der „Baltische Weg“ auch heute noch eine besondere Rolle.

          Baerbock oder Habeck?

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in der Vergabe der vom europäischen Gerichtshof gestoppten Pkw-Maut getrickst, um die Kosten möglichst niedrig erscheinen zu lassen? Neue Dokumente legen diesen Vorwurf nahe.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.