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Anschläge in Spanien : Ein Terrorverdächtiger wieder frei

  • -Aktualisiert am

Die Ermittlungen der spanischen Polizei dauern an. Bild: EPA

Gasflaschen aus Frankreich, Überweisungen nach Marokko und eine Mietwagenfirma, die einen noch größeren Anschlag verhindert hat. Nach der Anhörung durch einen Ermittlungsrichter in Madrid werden neue Details über die Terrorzelle aus Spanien bekannt.

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          Durch die Explosion in der Bombenwerkstatt der spanischen Terrorzelle im südkatalanischen Alcanar sind offenbar weitere Attentate verhindert worden. Diese Vermutung wurde durch die Anhörung der vier verbliebenen Tatverdächtigen im Madrider Staatsgerichtshof gestützt. Mohamed Houli Chemlal, der bereits kurz nach der Explosion am vergangenen Mittwoch festgenommen worden war und dem Ermittlungsrichter als erster Verdächtiger vorgeführt wurde, sagte, die Zelle hätte erwogen in der weltberühmten Basilika Sagrada Familia und weiteren zentralen Gebäuden in Barcelona Bombenattentate durchzuführen.

          Der Ermittlungsrichter erließ nun gegen den 21 Jahre alten Chemlal und den 28 Jahre alten Driss Oubakir Haftbefehle: Verantworten müssen sie sich unter anderem wegen terroristischer Morde, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des Besitzes von Sprengstoff.

          Driss Oubakir ist der ältere Bruder des in Cambrils erschossenen Moussa Oubakir, der den Ausweis seines Bruders gestohlen haben soll, um damit den Lieferwagen zu mieten, mit dem der Terroranschlag in Barcelona begangen wurde. An dieser Version des Tathergangs kommen nun Zweifel auf. Spanische Medien berichteten, dass Driss Oubakir den Lieferwagen doch selbst gemietet habe – allerdings in dem Glauben, seine Freunde benötigten ihn für einen Umzug.

          Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf einen Bericht des Bundeskriminalamts, dass die Gruppe eigentlich einen größeren Lastwagen hatte mieten wollen. Dies sei ihnen aber von der Leihwagenfirma unter Verweis auf ihr Alter verweigert worden, weswegen sie sich schließlich für einen Fiat Talento und einen Renault Kangoo entschieden hätten. Was mit dem Renault geschehen ist, ist bisher nicht bekannt.

          Ein Verdächtiger freigelassen

          Den Fall eines dritten Verdächtigen, des 34 Jahre alten Sahal el Karib, will der ermittelnde Richter weiter prüfen. Karib ist Inhaber eines Internetcafés in Ripoll. Aus seinem Geschäft seien mehrfach Überweisungen nach Marokko durchgeführt worden, berichteten spanische Medien. In dem in den Pyrenäen gelegenen Ort soll sich die Terrorzelle unter Anleitung des Imams Abdelbaki Es Satty radikalisiert haben.

          Ein vierter Verdächtiger wurde nach der Anhörung in Madrid freigelassen. Bei ihm handelt es sich um den 27 Jahre alten Mohammed Allaa, dem der Audi gehört, mit dem fünf Terrorverdächtige am frühen Freitagmorgen vor der Polizei in Cambrils flüchteten. Dabei töteten sie eine Frau und verletzten mehrere Menschen. Bei Allaa liegt kein dringender Tatverdacht vor, der eine Haft rechtfertigen würde. Er darf Spanien jedoch nicht verlassen und muss sich regelmäßig bei der Polizei melden.

          Die Suche nach möglichen Hintermännern der Gruppe geht unterdessen weiter. Inzwischen wurde bekannt, dass sich mehrere Mitglieder der Gruppe in den vergangenen Wochen in Frankreich aufgehalten haben sollen. Auch die mehr als hundert Gasflaschen, die in Alcanar explodiert waren, sollen aus Frankreich stammen.

          Außerdem ist weiterhin unklar, wo sich Younes Abouyaaquoub, der am Donnerstag mit einem Lieferwagen über die Flaniermeile Las Ramblas raste, in den Tagen vor seinem Tod aufgehalten hat. Bei seiner Entdeckung sei er ungepflegt gewesen und habe weder weder Tasche noch Telefon oder Bargeld bei sich gehabt, berichteten spanische Medien. Die spanischen Ermittler gehen deswegen davon aus, dass er logistische Unterstützung erhalten hat.

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