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Nach Terror in Barcelona : Auf der Jagd nach den Tätern

  • -Aktualisiert am

Spanische Polizisten beim Abtransport der Leiche des Tatverdächtigen Younes Abouyaaqoub Bild: AFP

Die spanische Polizei atmet auf: Alle Mitglieder der Terrorzelle von Barcelona seien tot oder gefangen, verkünden die Beamten. Doch womöglich irren sie – rund um die Attentate sind noch viele Fragen offen.

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          Als es am vergangenen Mittwoch in der spanischen Gemeinde Alcanar im Süden Kataloniens zu einer Explosion in einem Wohnhaus kommt, ist von den Ereignissen, die Spanien in den kommenden Tagen schockieren werden, noch nichts zu ahnen. Von einer „Gasexplosion“ ist die Rede. Tatsächlich zeigt sich ein beängstigendes Ausmaß der Zerstörung: Von dem Haus, in dem sich die Explosion ereignete, stehen nicht einmal mehr die Grundmauern.

          Erst später wird sich herausstellen, dass sich hier eine Gruppe junger Männer um den islamistischen Imam Abdelbaki Es Satty zurückgezogen hat, um Terroranschläge vorzubereiten. Mehr als 120 Gasflaschen und weiteres Werkzeug zum Bombenbau haben sie gehortet. Wie es einer Gruppe junger Männer gelingen kann, so viele Gasflaschen unbemerkt in ein Wohnhaus zu bringen, ist eine der vielen offenen Fragen rund um die Attentate von Barcelona und Cambrils.

          Dem Unfall beim Bombenbau ist es wohl zu verdanken, dass bei den Attentaten nicht noch mehr Menschen getötet wurden. Die spanische Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Terroristen aufgrund der Explosion nicht mehr genügend Material hatten, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben. Aus Angst, entdeckt zu werden, hätten sich die Männer gezwungen gesehen, ihr Vorgehen zu beschleunigen.

          Der 20 Jahre alte Mohamed Houli Chemlal überlebt die Explosion von Alcanar und wird verletzt festgenommen. Ob die spanische Polizei zu diesem Zeitpunkt bereits weiß, dass er Teil einer Terrorzelle ist, ist bislang nicht bekannt. Zwei weitere Mitglieder der Gruppe sterben noch am Mittwoch: der 20 Jahre alte Youssef Aalla, dessen Bruder zwei Tage später von Polizisten in Cambrils erschossen wird, und der mutmaßliche Kopf der Gruppe, der 45 Jahre alte Imam Es Satty.

          Es Satty ist in der Vergangenheit bereits mehrmals festgenommen worden, unter anderem, weil er zwölf Kilogramm Marihuana von der spanischen Exklave Ceuta nach Spanien geschmuggelt haben soll. Deswegen wird er 2010 zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und soll 2014 ausgewiesen werden. Doch ein spanisches Gericht erklärt die Ausweisung für nichtig und beruft sich auf den Schutz, der Es Satty entsprechend dem internationalen Recht zusteht, berichtet die spanische Zeitung „El Mundo“. Daran ändert auch ein Berufungsantrag nichts. Es Satty darf in Spanien bleiben.

          Sein Name taucht Medienberichten zufolge auch in einem Dokument der spanischen Polizei auf, in dem es um die Rekrutierung fünf junger Männer aus der Nähe von Barcelona für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) geht. Dennoch entgeht der spanischen Polizei zunächst, dass auch Es Satty bei der Explosion am Mittwoch ums Leben gekommen ist. Die Identifikation der Leiche wird erst nach den Angriffen in Barcelona und Cambrils abgeschlossen.

          Die Zelle hatte Kontakte ins Ausland

          Es Satty hatte offenbar auch Verbindungen ins Ausland. Im Frühjahr 2016 hält er sich für mehrere Monate in der belgischen Kleinstadt Vilvoorde auf. In dem Brüsseler Vorort versucht er nach Angaben eines belgischen Imams, Arbeit in einer Moschee zu finden. Das scheitert jedoch daran, dass sich Es Satty weigert, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Das kommt dem belgischen Imam merkwürdig vor, er alarmiert die Polizei. Ob die belgischen Sicherheitsbehörden diesen Vorfall an ihre Kollegen in Spanien weitergeleitet haben, ist nicht bekannt.

          Es gibt noch weitere Indizien für eine internationale Verflechtung der Gruppe: Anwohner aus dem Umfeld der Bombenwerkstatt von Alcanar erzählen Journalisten, sie hätten in den vergangenen Monaten Französisch sprechende Menschen mit Kisten in das Haus hineingehen sehen. Für ein transnationales Netzwerk spricht auch das Foto einer Verkehrsüberwachungskamera aus Paris. Es zeigt den dunklen Audi A3, mit dem wenige Tage später im Küstenort Cambrils fünf Terrorverdächtige vor der Polizei fliehen.

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