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Terror in Nizza : Rausch des islamistischen Nihilismus

Sicherheitskräfte am Donnerstag vor der Kirche Notre Dame in Nizza Bild: dpa

Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten wurde die Stimmung aufgeheizt. Auch durch Boykottaufrufe gegen Frankreich in islamischen Ländern. Doch ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch.

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          Der Anschlag von Nizza markiert eine neue Phase des islamistischen Terrors in Europa. In Frankreich war eine Terrorwarnung ausgerufen worden, nachdem der Lehrer Samuel Paty enthauptet worden war. Die Stimmung wurde seither aufgeheizt, nicht zuletzt mit Boykottaufrufen gegen Frankreich. In diesem Kontext hat der Täter in einer Kirche drei Menschen ermordet, einen davon enthauptet. Eine derart abscheuliche Gewalt sah man bislang lediglich beim „Islamischen Staat“, der in Syrien und im Irak Menschen enthauptet hat. Dort wird der IS zurückgedrängt – in Europa findet er Nachahmer.

          In den Fokus rücken Einzeltäter, die im Internet zu ihren Untaten getrieben werden und nur schwierig rechtzeitig zu entdecken sind. Möglicherweise profitieren sie in Zeiten der Pandemie davon, dass die Staaten ihre Ressourcen für andere Aufgaben bündeln müssen. Als Rechtfertigung für den Mord an unschuldigen Menschen können weder Äußerungen des französischen Präsidenten zum Islam noch die Behauptung einer generellen Islamophobie herhalten, denn die gibt es so nicht. In einer freien Gesellschaft kann kontrovers diskutiert werden. Das aber ist nicht das Anliegen der islamistischen Terroristen, so wenig wie es einst das Anliegen linksextremistischer Terroristen war. Beide verbindet der Rausch des Nihilismus.

          Die Frage ist, ob vernünftige islamische Religionsgelehrte solche potentiellen Einzeltäter erreichen können, bevor diese ein Blutbad anrichten und Hass säen, um Gesellschaften in einen Krieg der Zivilisationen zu treiben. Zwar findet Radikalisierung kaum mehr in Moscheen statt. Doch nur Muslime können diese Irregeleiteten noch einfangen. Ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch. Dem sogenannten „legalistischen Islam“ gibt das die Gelegenheit zu zeigen, dass er die säkulare Ordnung in Europa und deren Werte akzeptiert. Wer den „legalistischen“ Islam für gefährlicher hält als den dschihadistischen Islam, sollte umdenken. Schließlich erkennen viele Muslime, dass sie ihren Glauben in Europa freier leben als in den meist autoritären islamischen Ländern.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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