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Terror in Nizza : Jederzeit

Die Flagge am Elysee Palast auf Halbmast: Der Terror kann überall zuschlagen. Bild: Reuters

Nizza zerstört die letzte Illusion. Zu allem entschlossene Attentäter können an jedem Ort zuschlagen. Ein Gegenmittel gibt es nicht.

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          Der Zeitpunkt war perfide gewählt: Nach einer Fußballeuropameisterschaft ohne größeren Terroranschlag, just in dem Moment, als Frankreich aufatmet, schnürt ein 31 Jahre alter Mann mit tunesischen Wurzeln einem gebeutelten Land wieder die Kehle zu.

          Mit einem Lastwagen raste der Attentäter am Nationalfeiertag über die Strandpromenade von Nizza, rammte und überfuhr zahlreiche Menschen, darunter viele Kinder und Kleinkinder, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Mindestens 84 Menschen wurden getötet.

          Noch wissen wir nicht, ob sich der Täter – wie so viele vor ihm – im Netz radikalisierte und mit seiner Tat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ unterstützen wollte. Das Profil seiner Tat deutet sehr darauf hin.

          Kein europäisches Land leidet unter dem Terror so stark wie Frankreich. Die Wut vieler Franzosen auf ihren ohnehin nicht sonderlich beliebten Präsidenten ist daher groß. Die Opposition wird ihn fragen, wie es nach den beiden verheerenden Anschlägen in Paris nun auch in Nizza zu so einer schrecklichen Tat kommen konnte. Die Antwort, die niemand hören will, ist die: Es ist ganz einfach.

          Absolute Sicherheit kann kein Staat garantieren

          Ein demokratischer Staat ist nicht dazu in der Lage, seine Bürger vor Angriffen wie in Nizza zu beschützen. Der Status absoluter Sicherheit lässt sich in einer freien Gesellschaft kaum erreichen. Am nächsten kommt man ihm bei einer Europameisterschaft, in der amerikanischen „Air Force One“ oder auf einer großen Tagung wie der Münchner Sicherheitskonferenz - unter gewaltigem Aufwand.

          Die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an Bahnhöfen oder Flughäfen nach einem Anschlag wie am Donnerstag mag zwar Nachahmer kurzfristig von ihren Taten abhalten. Sie dient aber vor allen Dingen dazu, die Menschen zu beruhigen. Und dieses Gefühl der Sicherheit ist trügerisch.

          Egal, wie viele Polizisten das Internet durchkämmen, wie viele Soldaten durch die Straßen patrouillieren und wie viele Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen installiert werden: Gegen Terroristen, die sich im Stillen radikalisieren und einen Lastwagen zum Einweg-Panzer umfunktionieren, lässt sich wenig unternehmen. Und selbst, wenn Lastwagen von Polizisten ferngesteuert zwangsgestoppt werden könnten: Die Vorsichtsmaßnahmen richten sich immer auf den letzten Anschlag - nicht auf den nächsten. So groß wie die Bandbreite von Alltagsgegenständen ist, so groß ist auch der Werkzeugkasten des Terrors. Nicht alles, was töten kann, lässt sich verbieten.

          Ein Anschlag kann jederzeit verübt werden. In Bagdad oder Medina genauso wie in Nizza – oder in Frankfurt. Was der Krieg für Generationen von Menschen war, das ist der Terror nun endgültig auch für die freiheitlich-offenen Gesellschaften des Westens geworden. Eine Geißel.

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