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Terror in Indien : Die Spur führt nach Pakistan

Schutzsuche: Indische Sicheheitskräfte nahe dem Taj-Mahal-Hotel Bild: dpa

„Elemente mit Verbindungen nach Pakistan“ sollen für den wohl schwersten Terrorangriff der indischen Geschichte verantwortlich sein - sagt Indien. Die Aktion war präzise geplant. Sind Al Qaida oder gar die Mafia darin verwickelt?

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          Während in Bombay die Anti-Terror-Operation „Black Tornado“ andauerte, begann die indische Hauptstadt Delhi gleich in zweifacher Hinsicht aufzurüsten. Erstmals wurden alle zwölf Luxushotels in der Stadt umfassend abgesichert; selbst ihr Gepäck mussten die Gäste durchleuchten lassen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Aber auch politisch versuchte die Regierung Tatkraft zu demonstrieren – und richtete den Finger auf den Nachbarn in Pakistan.

          Pakistan um Schlichtung bemüht

          Schon am Vortag hatte Premierminister Manmohan Singh davon gesprochen, dass die unbekannte Terrorgruppe „Deccan Mudschahedin“, die Indiens größte und reichste Stadt in einen Kriegsschauplatz verwandelt hatte, über eine Basis im Ausland verfüge.

          Gegenattacke indischer Sicherheitskräfte

          Am Freitag nannte Außenminster Mukherjee das verdächtige Land dann beim Namen: „Elemente mit Verbindungen nach Pakistan“ seien für den wohl schwersten Terrorangriff in der indischen Geschichte verantwortlich, sagte er. Er rief ein gemischtes Echo in Islamabad hervor.

          Öffentlich bemühte sich die pakistanische Regierung, den Vorwurf nicht als Angriff zu parieren. Außenminister Qureshi, der sich gerade in Indien aufhält, sagte am Freitag, dass die Länder dem gleichen Gegner gegenüberstünden und zusammenarbeiten müssten. Pakistans Präsident Zardari versicherte Singh in einem Telefongespräch, dass hinter den Angriffen auf Mumbai „nicht-staatliche Akteure“ stünden.

          Wenig konziliante Reaktionen

          Um die Bereitschaft zum gemeinsamen Vorgehen gegen den Terrorismus zu illustrieren, kam er sogar der indischen Bitte nach, den Chef des pakistanischen Geheimdiensts Isi, General Pasha, nach Delhi zu schicken.

          Unterhalb der offiziellen Ebene stießen die Äußerungen aus Indien allerdings auf weniger konzilliante Reaktionen. In der pakistanischen Presse war allenthalben vom „old blame game“ die Rede, also von jenem lange Jahre erprobten Spiel beider Länder, sich gegenseitig die Schuld zu geben wenn im eigenen Land Unruhe und Terror herrschen.

          In einigen Zeitungen wurde sogar die Gefahr beschworen, dass sich die indisch-pakistanischen Beziehungen nun bis zu dem Punkt abkühlen könnten, an dem sich sechs Jahre zuvor eine Million Soldaten auf beiden Seiten der kaschmirischen Demarkationslinie gegenüberstanden.

          Bekennerschreiben in Hindi

          Obwohl die Ermittlungen in Bombay bislang widersprüchliche Zwischenergebnisse gebracht haben, scheint sich die indische Regierung sicher zu sein, dass die berüchtigte pakistanische Terrorgruppe „Lashkar-e-Toiba“ (Let) hinter dem Angriff auf ihre Finanzmetropole steckt. Angeblich habe das Schiff, von dem aus die Terroristen offenbar zunächst auf einen indischen Fischtrawler und von dort auf Schlauchboote wechselten, in der pakistanischen Hafenstadt Karachi abgelegt, verlautete aus indischen Geheimdienstquellen.

          Ein Schiff, das zunächst einwandfrei identifiziert schien, entpuppte sich allerdings später als das falsche. Rätselhaft erscheint auch, warum sich eine pakistanische Terrorgruppe einen indischen Namen zulegt und ihr Bekennerschreiben in Hindi verfasst.

          Indizien sind gleichwohl vorhanden. Der „Indian Express“ zitierte am Freitag Geheimdienstinformationen, denen zufolge die Let-Führung auf einer Sitzung in Pakistan am vergangenen Wochenende ihr Einverständnis für die Aktion gegeben habe. Der stärkste Beleg für eine Beteiligung der Let scheinen aber Aussagen dreier festgenommener Terroristen zu sein. Sie seien pakistanischer Nationalität und hätten sich als Mitglieder der Let zu erkennen gegeben, teilte die Polizei in Maharashtra mit.

          Verblüffende Ortskenntnisse der Täter

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