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Terror in Indien : Die Spur führt nach Pakistan

Die präzise Planung der Organisation weist allerdings nach Einschätzung von Fachleuten darauf hin, dass ortskundige Inder an der Operation beteiligt waren. Nach unbestätigten Meldungen hat sich mindestens ein Terrorist als Hotelboy einstellen, ein anderer soll als Gast eingecheckt haben.

Ein Sprecher des Anti-Terror-Kommandos sprach am Freitag von verblüffenden Kenntnissen der Terroristen über den Gebäudeplan. Die Terroristen wussten unter anderem, wo sich die Privatwohnung des Hotelmanagers befand und kannten Türen, die für die Öffentlichkeit unzugänglich sind.

Für möglich gehalten wird, dass die Let mit den einheimischen Organisationen der „Indischen Mudschahedin“ oder der „Islamischen Studentenbewegung“ zusammengearbeitet hat, die in diesem Jahr schon an mehreren Bombenanschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Nicht ausschließen wollte ein Geheimdienstmitarbeiter, der von der Zeitung „Asian Age“ zitiert wurde, dass auch die indische Unterwelt logistische Unterstützung geleistet hat. Genannt wurde Bombays Mafia-Boss Dawood Ibrahim.

Politische Steuerung durch Al Qaida

Neu ist für das an Terror gewöhnte Indien, dass die Aktion auch auf westliche Ausländer zielte. Sowohl das Hotel „Taj Mahal“ als auch das „Oberoi Trident“ sind als Aufenthaltsorte vieler ausländischer Gäste bekannt. Nachdem die Terroristen die Gebäude gestürmt hatten, forschten sie nach Gästen mit israelischen, amerikanischen und britischen Pässen. Im „Nariman-House“ überfielen die Terroristen ein jüdisches Gemeindezentrum.

Dies spreche dafür, dass die Aktion politisch, wenn nicht operationell von der Al Qaida beeinflusst war, sagte ein Fachmann in Delhi. Zudem reflektiere die Art des Angriffs das Umdenken innerhalb der Al Qaida. Angeblich hat die Terrororganisation in der Öffentlichkeit eine „Bomben-Müdigkeit“ ausgemacht und deshalb ihre Taktik verändert. Von Aktionen, die sich über viele Stunden oder wie im Falle Bombays gar über Tage hinziehen, erhofften sie ich eine größere internationale Aufmerksamkeit als von weiteren Selbstmordattentaten.

Unverkennbar wurde am Freitag, dass die Debatte über den Terrorangriff in den indischen Wahlkampf hineinspielt. Delhi ist an diesem Samstag zur Wahl eines neuen Landesparlaments aufgerufen, die als Thermometer für den Ausgang der Wahlen zum indischen Nationalparlament im kommenden Frühjahr betrachtet wird.

Kritik am Krisenmanagement

Nach ersten staatsmännischen Stellungnahmen der oppositionellen „Indischen Volkspartei“ (BJP), dass in der Stunde der Not politischer Zwist ruhen müsse, wuchs am Freitag die Kritik am Krisenmanagement der Regierung und an ihrer Haltung gegenüber islamischen Extremisten.

Am Freitag erschien das Konterfei des frühere Premierministers Atal Bihari Vajpayee in großen Zeitungsanzeigen. Darin beklagte der frühere Chef der BJP, dass in Delhi unter der Kongress-Partei ein „allgemeines Gefühl von Unsicherheit“ herrsche, das mit der Angst vor Verbrechen und Terrorismus zu tun habe. Unter besonderen Druck ist Innenminister Shivraj Patil geraten. BJP-Chef Advani forderte zwar noch nicht, wie nach früheren Bombenanschlägen, dessen Rücktritt, konnte sich aber die maliziöse Bemerkung nicht verkneifen, dass die Regierung ja selber „Sicherheitsversäumnisse“ eingeräumt habe.

Mit ihren Vorwürfen gegen Pakistan versucht die Regierung von Manmohan Singh vermutlich auch, der Opposition das Feld des antimuslimischen Ressentiments nicht vollständig zu überlassen. Zwar hatte Vajpayee den Friedensprozess mit Pakistan eingeleitet, aber seit ihrer Wahlniederlage im Mai 2004 kritisiert die BJP die Kongresspartei für zu viel Konzessionsbereitschaft. Vermutlich weitsichtig bezeichnete die pakistanische Zeitung „Dawn“ die Terrornacht von Bombay am Freitag als „Test für die Friedensagenda“ beider Länder.

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