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Terror in der Türkei : Kurdische Extremisten bekennen sich zu „Racheakt“

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Nun hat sich auch zu den Anschlägen in Antalya eine Terrorgruppe aus dem Umfeld der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bekannt. Beim Attentat an der türkischen Rivera wurden drei Menschen getötet.

          3 Min.

          Nach dem tödlichen Bombenanschlag im südtürkischen Urlaubsort Antalya, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, hat die Polizei nach Fernsehberichten einen Verdächtigen festgenommen. Der Mann werde derzeit verhört, meldete der Sender CNN-Türk am Dienstag. Zwei weitere Verdächtige werden demnach noch gesucht.

          Unterdessen konnten die Behörden auch die Identität des dritten Todesopfers des Anschlags feststellen. Nach Fernsehberichten handelte es sich bei den Opfern um einen 18jährigen, einen 20jährigen und einen Polizisten im Ruhestand. Alle drei Todesopfer waren türkische Staatsbürger. Unter den Dutzenden Verletzten waren auch drei deutsche Urlauber, die das Krankenhaus aber inzwischen verlassen haben. Das bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

          Ein „Racheakt“

          Zu dem Anschlag vom Montag bekannten sich derweil kurdische Extremisten. In einer am Dienstag im Internet veröffentlichten Erklärung übernahm ein PKK-Ableger namens „Freiheitsfalken Kurdistans“ die Verantwortung für die Bomben.

          Bild: dpa

          Der Anschlag sei ein „Racheakt“ für die Angriffe des türkischen Staates auf die kurdische Bevölkerung und seine „Widerstandskämpfer“, heißt es in dem Bekennerschreiben

          Polizei verhindert weiteren Anschlag

          Offenbar hatte die Terrorgruppe noch weitere Anschläge in den Feriengebieten der Türkei geplant. Denn auch in der westtürkischen Hafenstadt Izmir kam die Polizei nach eigenen Angaben einem mutmaßlichen Bombenleger zuvor. Sie nahm einen Mann fest, der Mitglied der PKK sein soll. Bei dem Verdächtigen seien Plastiksprengstoff und andere Materialien für den Bombenbau gefunden worden.

          Der Detonation in Antalya waren in der Nacht zum Montag drei Bombenanschläge im südtürkischen Badeort Marmaris vorausgegangen, wo in einem Kleinbus 21 Menschen verletzt wurden, unter ihnen 10 britische Touristen. Auch zu diesem und einem weiteren Anschlag im Istanbuler Außenbezirk Bagcilar mit sechs verletzten Passanten bekannten sich die kurdische Extremistengruppe.

          PKK-Gruppe bekennt sich

          Die Splittergruppe der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK hat in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Anschläge in türkischen Touristengebieten verübt und weitere Gewalt angedroht. Durch die Wucht der Detonation im Stadtzentrum von Antalya wurden Scheiben von Restaurants, Geschäften und Büros zertrümmert. Auch zahlreiche Fahrzeuge wurden beschädigt. Unter den Verletzten, die auf mehrere Krankenhäuser verteilt wurden, seien auch Frauen und Kinder, berichteten türkische Medien. Nach der Explosion brach ein Brand aus, der jedoch schnell gelöscht wurde.

          Der erste Sprengsatz in Marmaris war gegen Mitternacht in einem Kleinbus explodiert, in dem sich britische Urlauber und türkische Fahrgäste befanden. Die unter einem Sitz versteckte Bombe detonierte laut Augenzeugenberichten mit ohrenbetäubendem Knall. Verletzt wurden 15 Insassen des Busses, darunter die Urlauber aus Großbritannien. Dem Anschlag folgten zwei weitere Explosionen, bei denen sechs türkische Passanten verletzt wurden. Die beiden Sprengsätze waren in Abfallbehältern versteckt.

          „Überall werden Bomben hochgehen“

          In ihrem ersten Bekennerschreiben forderten die kurdischen Extremisten abermals Ausländer auf, touristischen Gebieten in der Türkei fernzubleiben. Solange sich PKK-Führer Abdullah Öcalan in Gefangenschaft befinde, „werden überall in der Türkei unsere Bomben hochgehen“, heißt es darin.

          Öcalan war vor mehr als sieben Jahren gefaßt und nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Detonation in Antalya ereignete sich ungefähr zeitgleich mit der Amtseinführung des neuen türkischen Generalstabschef Yasar Büyükanit. Der General hatte bereits kurz nach seiner Ernennung einen unerbittlichen Kampf gegen den „separatistischen Terror“ kurdischer Extremisten angekündigt.

          Die PKK, die erst vor zwei Jahren eine mehrjährige Waffenruhe für beendet erklärt hatte, kämpft seit mehr als 20 Jahren mit Gewalt für mehr politische Rechte der Kurden in der Türkei. Einem 15 Jahre langen Guerillakrieg im Südosten des Landes waren von 1984 bis 1999 mehr als 30.000 Menschen zum Opfer gefallen. Erklärtes Ziel der „Freiheitsfalken Kurdistans“ ist es, dem devisenträchtigen Tourismus in der Türkei zu schaden.

          In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Türkei-Touristen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als sechs Prozent auf knapp elf Millionen zurückgegangen. Die größte Gruppe - etwa 550 000 - waren wiederum Urlauber aus Deutschland. Allerdings kamen bis Ende Juli fast acht Prozent weniger.

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