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Kommentar : Gewalt ist keine Religion

Spanische Muslime protestieren gegen den Terror von Barcelona und Cambrils. Bild: EPA

Religionsfreiheit ist nur in einer demokratischen, rechtsstaatlichen Ordnung möglich. Das gilt auch für den Islam. Die religiösen Autoritäten sollten im Angesicht des Terrors Position beziehen.

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          „Hass darf nicht mit Hass beantwortet werden.“ Das sagte der finnische Ministerpräsident, nachdem ein junger Asylbewerber aus Marokko zwei Frauen erstochen hatte. Unter den Angegriffenen war auch eine Mutter, die mit ihrem Baby unterwegs war. Und genauso sieht die Reaktion der Staaten und Menschen aus, die bisher von islamistischen Terroristen ins Visier genommen wurden: Recht, nicht Rache.

          In Spanien fand der Trauergottesdienst in der Sagrada Família statt, jener Kathedrale, die offenbar das ursprüngliche Anschlagsziel der Terroristen war. Es steht dahin, inwiefern es die Verblendeten beeindruckt, wenn ihrem mörderischen Treiben die Stirn geboten wird, indem die Menschen unmittelbar nach den Untaten die Flaniermeilen und Cafés gleich wieder in Besitz nehmen.

          Womöglich nehmen sie Reaktionen von Muslimen oder Angehörigen von Attentätern – wie nach dem Anschlag in Barcelona – eher wahr. Wenn tatsächlich ein Imam für die Radikalisierung der Täter verantwortlich sein sollte, zeigt das zumindest ein weiteres Mal, dass der Kampf gegen den Terror auch an dieser Front ausgefochten werden muss.

          Niemand außer dem IS führt einen „Kreuzzug“

          Gewalt ist keine Religion, und die Religionsfreiheit kann sich nur im Rahmen der demokratischen, rechtsstaatlichen Ordnung entfalten. Das gilt auch für den Islam – und das muss an den Schulen und in den Universitäten auch gelehrt werden. Niemand außer der Terrorbande, die sich „Islamischer Staat“ nennt, führt einen „Kreuzzug“.

          Nach dem letzten Anschlag in London kündigten 130 Imame in Großbritannien an, den Attentätern das muslimische Totengebet zu verweigern. Die Begründung: Solche „unvertretbaren Handlungen“ seien „nicht mit den edlen Lehren des Islams zu vereinen“. Ein beispielloser Schritt – und zugleich ein beispielhafter.

          Wenn das Heilsversprechen ausbleibt, wenn namhafte Autoritäten jeden Terroristen schon vorab aus der Glaubensgemeinschaft ausschließen, so ist auch das Teil des Kampfes gegen jene verzweifelten Feinde der Freiheit. Die Antwort des Rechtsstaates darf jedenfalls nicht nur aus Abwarten und Einigeln bestehen. Er muss offensiv bleiben und werden, militärisch, polizeilich und geistig. Wer an das Leben glaubt, kann nicht verlieren.

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          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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