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Terror auf den Las Ramblas : Attentäter von Barcelona ist weiter auf der Flucht

  • Aktualisiert am

Beamte untersuchen den Transporter, der mindestens dreizehn Menschen in den Tod riss. Bild: EPA

Mitten in Barcelona überfährt ein Lieferwagen gezielt Menschen und tötet dabei dreizehn Personen. Unter ihnen könnten auch Deutsche sein. Die Polizei hat zwei Verdächtige festgenommen – jedoch nicht den Fahrer. Der IS reklamiert die Tat für sich.

          Der Fahrer des Lieferwagens, der am späten Nachmittag in der Fußgängerzone von Barcelona mindestens 13 Menschen getötet hat, ist weiter flüchtig. Bei den beiden festgenommenen Männern handele es sich um einen Marokkaner und einen Einwohner der spanischen Exklave Melilla, erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero am späten Donnerstagabend. Beide stünden direkt in Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf dem Boulevard „Las Ramblas“, hätten aber nicht den Wagen gefahren. Ein bei einer Polizeikontrolle erschossener Verdächtiger habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt. Unterdessen reklamierte die IS-Terrormiliz den Anschlag für sich.

          Das Ziel der Attacke mit dem Kleintransporter sei es in jedem Falle gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten. Nach Angaben des spanischen Zivilschutzes fielen dem Terroranschlag bislang dreizehn Menschen zum Opfer, die Zahl der Toten könne aber noch steigen. 15 weitere Menschen seien schwer, 23 mittelschwer und 42 leicht verletzt worden. Alle seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilten die katalanischen ärztlichen Notfalldienste mit. Nach Informationen des ZDF-“Heute-Journals“ sind unter den Opfern auch drei Deutsche. Der Fernsehsender beruft sich auf Sicherheitskreise.

          Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete, Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Barcelona und das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts stünden mit den spanischen Behörden in engem Kontakt. „Ob deutsche Staatsangehörige betroffen sein könnten, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar“, erklärte das Auswärtige Amt. Offiziell fest steht derzeit lediglich, dass ein Belgier unter den Toten ist. „Wir müssen leider ein belgisches Opfer in Barcelona beklagen“, teilte Außenminister Didier Reynders am Donnerstagabend auf Twitter mit. Er sprach Familien und Freunden sein Beileid aus.

          Ungebremst mit 80 Stundenkilometern

          Bereits kurz nach dem Anschlag forderte die Polizei die Bevölkerung auf, die Region rund um die Ramblas zu meiden. Zunächst suchte ein Großaufgebot der Polizei nach dem Täter. Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. Der Vorfall ereignete sich in den Ramblas, Barcelonas bekannter Flaniermeile, die jeden Tag von tausenden Touristen besucht wird. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Berichte, dass sich der oder die Täter in einer Bar im Bezirk Raval verschanzt hätten, dementierte die Polizei. Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast.

          Viele Menschen liefen offenbar in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es. Augenzeugen berichteten, der Verkehr im Zentrum sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf den Ramblas hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen. Die Polizei suche nach dem Fahrer, so das Fernsehen. Er soll zu Fuß geflohen und nach Angaben spanischer Medien bewaffnet sein. Er soll etwa 1,70 Meter groß sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen tragen, wie die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ berichtete.

          Bei dem weißen Lieferwagen, der für das Attentat benutzt wurde, soll es sich nach Medienberichten um ein gemietetes Fahrzeug gehandelt haben. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollten, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen „La Vanguardia“ und „El Periódico de Catalunya“ unter Berufung auf die Polizei. Ein deutscher Augenzeuge berichtete, in der Innenstadt von Barcelona seien an mehreren Stellen Menschen in Panik umher gelaufen.

          Die Flaniermeile Las Ramblas ist die berühmteste Straße von Barcelona. Die knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt führt vom Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Mit seinen historischen Häusern, der alten Markthalle und dem Liceu-Theater sowie den Blumenhändlern und Straßenkünstlern zählt der Boulevard zu den Hauptattraktionen für Touristen. Entlang der Ramblas und in den Seitengassen befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Hostels.

          Die katalanische Regionalregierung hat nach dem Anschlag drei Tage offizielle Trauer verfügt. Das teilte Innenminister Joaquim Forn am Abend mit. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau rief ihrerseits für 12 Uhr am Freitag zu einer Schweigeminute am Ort des Anschlages auf. „Es geht darum, zu zeigen, dass wir keine Angst haben und vereint sind gegen die Barbarei und für die Demokratie“, sagte sie. Unterdessen hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise für Spanien aktualisiert. „Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren“, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend mit.

          Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt kamen im Dezember zwölf Menschen ums Leben. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

          Einer der Verdächtigen: Ein Franzose mit marokkanischen Wurzeln soll den Lieferwagen gemietet haben, der am Donnerstag in Barcelona zahlreiche Menschen tötete. Bilderstrecke

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