https://www.faz.net/-gpf-pysk

Terror im Irak : Anschlag vor Klinik: Mehr als hundert Tote

  • Aktualisiert am

Trauer nach dem Terror am Torso des Todesfahrzeugs Bild: dpa/dpaweb

Einen Monat nach den Wahlen erschüttert den Irak eine neue Terrorwelle. Bei einem blutigen Selbstmordanschlag in der Stadt Hilla sind mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen - darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder.

          3 Min.

          Bei dem schwersten Bombenanschlag im Irak seit Monaten sind mindestens 114 Menschen getötet worden und mehr als zweihundert verletzt. Ein Attentäter hatte sich vor einer Klinik in de Stadt Hilla mit einem Auto in die Luft gesprengt. Die Menschen waren Arbeitssuchende, die in den Verwaltungsdienst eintreten wollten und auf eine medizinische Untersuchung warteten.

          Die Klinik selbst war durch eine Betonmauer geschützt. Da sie aber in einem belebten Marktviertel liege, waren auch zahlreiche Frauen und Kinder unter den Opfern. Die Rettungskräfte waren mit der Versorgung der Opfer völlig überfordert.

          „Große Opferzahl als Ziel“

          Nach Angaben des Leiters der Gerichtsmedizin, Thamer Sultan, waren in dem Anschlagsfahrzeug mehrere Dutzend Kilo des Sprengstoffs TNT sowie Mörsergranaten platziert gewesen, „um eine größtmögliche Opferzahl zu erzielen“. Der Gouverneur der Provinz Babylon, Walid Dschanabi, sagte, der Anschlag habe „Bürger getroffen, die keinerlei Verbindungen zur Armee und zur Polizei haben und die in Frieden leben wollten“. Im Zusammenhang mit dem Anschlag seien „mehrere Personen festgenommen“ worden, teilte die Polizei der Provinz Babil mit.

          Verwüstet: Der Ort des Geschehens im Irak

          Ein zweiter Anschlag ereignete sich an einem Kontrollposten der Polizei in Mussajjib. Dort kam nach Polizeiangaben mindestens ein Polizist ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Mussajjib liegt rund 30 Kilometer nördlich von Hilla.

          „Grausamer“ Anschlag

          Irakische und internationale Politiker verurteilten das Attentat scharf. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) erklärte in Berlin, die Terroristen wollten den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes sabotieren. Der britische Premierminister Tony Blair verurteilte den „grausamen“ Anschlag und drückte sein Mitgefühl mit Angehörigen der Opfer aus.

          EU-Außenkommissar Javier Solana erklärte, es sei schockierend, daß die Gewalt im Irak auch nach den Wahlen vom Januar andauere, dem „ersten mutigen Schritt der Iraker in Richtung Demokratie“.

          Serie schwerer Anschläge

          Bei dem Blutbad von Hilla handelte es sich um eines der schlimmsten Bombenattentate im Irak seit dem Beginn der amerikanischen Besatzung. Schon im vergangenen Jahr hatte es mehrere schwere Anschläge mit jeweils über hundert Toten gegeben: Am 1. Februar vergangenen Jahres waren bei einem Selbstmordanschlag im kurdischen Erbil 105 Menschen getötet worden. Am 19. Dezember in Kerbela und Nadschaf, am 24. Juni bei einer gezielten Anschlagsserie vorwiegend auf Polizeistationen in Mossul, Ramadi, Falludscha, Bakuba und Bagdad.

          Bei den bisher schwersten Anschlägen starben am 2. März 2004 in Bagdad und Kerbela über 27O Menschen. Auch in diesem Jahr wurden zum schiitischen Aschura-Fest zahlreiche Anschläge verübt.

          Festnahme von Saddams Halbbruder

          Der Anschlag in Hilla ereignete sich einen Tag, nachdem die Festnahme von Sabawi Ibrahim el Hassan, einem der meistgesuchten Iraker, bekannt wurde. Der ehemalige Geheimdienstchef und Halbbruder des früheren Diktators Saddam Hussein wird verdächtigt, Aufständische finanziert zu haben.

          Der Geheimdienstchef des irakischen Innenministeriums, Hussein Ali Kamel, teilte am Montag in Bagdad mit, Hassan sei vor drei Tagen an der syrischen Grenze festgenommen worden. Er sei häufig zwischen dem Irak und Syrien gependelt. Auf die Frage, ob Syrien bei der Festnahme geholfen habe, antwortete Kamel, dies spiele keine Rolle. „Wichtig ist, daß wir ihn gefaßt haben“.

          „Enorme Geldsummen für terroristische Aktionen“

          Die Festnahme sei durch Patrouillen entlang der Grenze sowie durch Aussagen festgenommener Aufständischer möglich gewesen. Hassan besaß laut Kamel „enorme Geldsummen“ aus den Kassen der ehemaligen Regierungspartei Baath, die er zur Finanzierung „terroristischer Aktionen“ nutzte. Nach Angaben des nationalen Sicherheitsberaters Muaffak el Rubai waren knapp 30 Einsatzkräfte an der Festnahme beteiligt.

          Rubai forderte Syrien zu einer besseren Zusammenarbeit auf: „So viele Kriminelle, die Anschläge im Irak verüben, sind in Syrien immer noch auf freiem Fuß“, sagte er. Er wünsche sich, dass Syrien besser bei der Auslieferung Verdächtiger kooperiere.

          Bei verschiedenen Angriffen im so genannten sunnitischen Dreieck westlich und nördlich der Hauptstadt Bagdad kamen am Montag insgesamt fünf Iraker ums Leben, darunter drei Soldaten und ein Dolmetscher. Die amerikanische Armee gab die Festnahme von insgesamt 211 Aufständischen seit Beginn des Einsatzes in der sunnitischen Unruheprovinz El Anbar vor gut einer Woche bekannt.

          Weitere Themen

          EU will bis 2050 Klimaneutralität erreichen

          Europas „Green Deal“ : EU will bis 2050 Klimaneutralität erreichen

          Am Mittwoch will die neue EU-Kommission ihren „Green Deal“ vorstellen, nach dem Europa bis 2050 klimaneutral werden soll. Voraussetzung ist der Kohleausstieg aller Länder. Für die vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen soll es Milliardenhilfen geben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.